Josefstädter Straße: Umbau kostet deutlich mehr

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Fassade, Dächer und Fenster: Bei der U-Bahn-Station Josefstädter Straße startet die zweite Bauphase. Im Herbst 2013 soll Sanierung beendet sein. Kosten stiegen von geplanten drei auf mittlerweile zehn Mio. Euro.

Wien. Seit nunmehr einem Jahr ist die Station Josefstädter Straße der Wiener U-Bahn-Linie U6 eine Baustelle. Und das wird sie in absehbarer Zeit auch bleiben. Denn die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Stationsgebäude werden noch bis in den Herbst 2013 dauern. Vergangene Woche hat die zweite Bauphase begonnen. Die Kosten liegen mittlerweile bei zehn Millionen Euro, veranschlagt waren ursprünglich nur drei Millionen.

Von der Sanierung ist nicht nur die U-Bahn-Haltestelle betroffen, auch das im Stationsgebäude befindliche Café Carina und die Obdachloseneinrichtung Josi mussten wegen des Umbaus schließen und werden erst im November dieses bzw. Frühjahr nächsten Jahres wiedereröffnet.

Außenfassade noch heuer fertig

Dringende Reparaturarbeiten des Otto-Wagner-Baus hatten im Juli 2011 kurzfristig eine Komplettsperre notwendig gemacht. Sechs Wochen lang hielten die Züge nicht zwischen Westbahnhof und Alser Straße. Seit 25.November 2011 ist die Station wieder für Fahrgäste geöffnet. Der provisorische Zugang erfolgte zunächst über Stiegen an den Außenseiten des Gebäudes. Seit Anfang Juni ist die Station wieder über die Eingangshalle zugänglich. Die Bahnsteige wurden nach dem Abbruch neu errichtet und mit einer Wärmedämmung und Feuchtigkeitsisolierung ausgestattet.

Im Zuge der Komplettsanierung wird das Gebäude auf den letzten Stand gebracht. Bis Ende 2012 bekommt die Außenfassade einen neuen Anstrich, die Bahnsteigdächer und Fenster werden erneuert. 2013 folgen die Innenfassade und Verfliesung der Bahnsteige. Die Arbeiten werden bei laufendem Betrieb durchgeführt.

Bereits im kommenden November soll das seit Juli 2011 geschlossene Café Carina wiedereröffnet werden. „Zwar haben wir in den vergangenen Monaten frühere Termine ins Auge gefasst und verworfen, aber der November ist realistisch“, sagt Geschäftsführer Thomas Ploner. „Das Konzept wird sich nicht verändern, wir werden weiter auf Livekonzerte von vorwiegend jungen Bands setzen.“

Die Schließung seines Cafés habe Ploner im vergangenen Sommer „sehr unvorbereitet“ getroffen. „Wir hatten nur zwei Tage Zeit, um dichtzumachen und die Einrichtung zu entfernen. In den beiden Monaten danach haben wir intensiv nach Möglichkeiten gesucht, die Einrichtung zwischenzulagern.“ Laut dem Gastronom hätte es nie so weit kommen dürfen, dass das Gebäude plötzlich einsturzgefährdet war. Das hätten die Wiener Linien zu verantworten. „Wir haben wiederholt gefragt, ob eine eventuelle Schließung bevorsteht, haben aber immer nur vage Antworten bekommen wie ,In diesem Jahr bestimmt nicht mehr‘ und dergleichen. Genaue Angaben konnte man nicht machen.“

Was die Neueröffnung und deren Kosten angeht, stünden gerade Verhandlungen an. „Einen Teil der Fixkosten haben die Wiener Linien übernommen, sonst hätten wir das vergangene Jahr nicht überstanden“, sagt Ploner. „Sobald wir eröffnen, müssen wir eine endgültige Abrechnung machen und erheben, wie viel uns die Schließung und Neueröffnung gekostet haben. Die Wiener Linien kommen uns zwar durchaus entgegen, schenken uns aber auch nichts.“ So oder so werde er „tief in die Tasche“ greifen müssen. Denn: „Rücklagen, um ein ganzes Jahr lang zu schließen, haben wir nie angelegt.“

Bis auch die Obdachloseneinrichtung Josi wieder in die Josefstädter Straße zurückkehrt, wird es wohl noch etwas länger dauern. Auch sie musste ihren Standort wegen der Bauarbeiten vorübergehend aufgeben. Der geplante Zeitraum für die Rücksiedlung ist laut Christine Berzsenyi vom Fonds Soziales Wien im Frühjahr 2013. Seit Juli 2011 befindet sich die Einrichtung in einem Ersatzquartier in der Koppreitergasse in Meidling.

Umbau im Obdachlosenquartier

Der neue Standort sei seit Oktober 2011 voll ausgelastet, das Angebot ist das gleiche wie in der Josefstädter Straße: Neben der Möglichkeit, mit Sozialarbeitern zu sprechen, bietet die Josi Gelegenheiten zur Körperpflege, Essenszubereitung und zum Wäschewaschen.

„Im Rahmen der Umbauarbeiten in der Josefstadt wird das Raumkonzept der Josi optimiert“, sagt Berzsenyi. „Beispielsweise wird es eine Portierloge, ein abgeschlossenes Raucherabteil sowie einen vergrößerten Koch- und Waschbereich geben.“

Auf einen Blick

Komplettsanierung. 20.000 Fahrgäste und 600 U-Bahn-Züge pro Tag haben über die vergangenen Jahrzehnte ihre Spuren an dem mehr als 100 Jahre alten Otto-Wagner-Bau hinterlassen. Stiegen und Foyer wurden bereits saniert. Auch die Technik und die Wasserleitungen sind erneuert. Jetzt bekommt die Außenfassade einen neuen Anstrich, die Bahnsteigdächer und die Fenster werden ausgetauscht. Diese Arbeiten sollen Ende 2012 abgeschlossen sein.

Baukosten. Bis Herbst nächsten Jahres werden die Fliesen und Beleuchtungen ersetzt. Die Baukosten liegen mittlerweile bei zehn Millionen Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2012)

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