Der Austro-Fonds TAP 09 kauft die angeschlagene Drogeriekette. Schlecker wird in Österreich und vier weiteren Ländern zum Nahversorger umgebaut. Rund 4600 von 5000 Mitarbeiter sollen weiterbeschäftigt werden.
Die angeschlagene Drogeriemarktkette Schlecker Österreich ist überraschend an die österreichische Restrukturierungsgesellschaft TAP 09 verkauft worden. Der Fonds und Schlecker Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz unterschrieben gestern Abend in Linz den Kaufvertrag, teilte die Insolvenzverwaltung am Dienstagvormittag in einer Aussendung mit. TAP 09 übernimmt alle 1350 Schlecker-Standorte in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg. Die Drogeriemarktkette soll unter dem Namen "daily" zu einer Nahversorgungskette umgebaut werden.
Anwalt: Insolvenzgefahr gebannt
Der Käufer TAP 09, ein Private Equity-Fonds, der 2009 von Rudolf Haberleitner gegründet worden war, sieht keine Insolvenzgefahr für die österreichische Gesellschaft. "Eine Insolvenz wird es nicht geben. Sonst hätten wir es nicht gekauft", sagte der Wiener Anwalt Franz Guggenberger, der für die Käufer spricht. Die Anzahl und die Herkunft der Investoren hinter der Restrukturierungsgesellschaft wollte der Anwalt, der selber an der Übernahme beteiligt ist, vorerst nicht bekanntgeben. Auch über den Kaufpreis und die Vertragsdetails vereinbarten beide Parteien Stillschweigen, hieß es in einer Mitteilung.
Seit der Insolvenz des deutschen Mutterkonzerns im Jänner wurde um die Zukunft der Österreich-Tochter gerungen, laut Geiwitz-Sprecher Phillip Kübber wurde "nicht erst seit einer Woche verhandelt". Anwalt Guggenberger sieht diese nun gesichert: "Wir haben ein sehr positives Zukunftskonzept".
Skeptisch zeigte sich Peter Schnedlitz, Vorstand des Instituts für Handel und Marketing, am Dienstag zur Übernahme befragt. Österreich sei mit 6000 Geschäften bereits "overstored", sagte der Handelsexperte (>>>mehr dazu).
Unternehmensberater Haberleitner wollte schon beim insolventen Buch- und Papierhändler Libro einsteigen - wurde aber vom Investor und Ex-ÖVP Obmann Josef Taus ausgebootet. Diesmal hat Haberleitner das Rennen für sich entschieden - wohl weil er bzw. sein Fonds das gesamte Unternehmen Schlecker-Österreich mit allen Niederlassungen in Italien, Polen, Luxemburg und Belgien kaufte und Taus sich nur für 100 Filialen interessierte.
Großteil der Mitarbeiter wird weiterbeschäftigt
Rund 4600 der 5000 Mitarbeiter will der Fonds eine Weiterbeschäftigung anbieten. In Österreich beschäftigt Schlecker rund 3000 Mitarbeiter in 900 Filialen.
Die Gewerkschaft zeigt sich ebenfalls erfreut über den Verkauf von Schlecker, pocht aber auf die Einhaltung der bestehenden Arbeitsverträge. Die Gewerkschaft erhalte "zahlreiche Anfragen", was die Übernahme für die bestehenden Dienstverhältnisse bedeutet, betonte GPA-djp-Chef Wolfgang Katzian. Alle arbeitsrechtlichen Ansprüche und Abfertigungsansprüche würden bestehen bleiben. "Für die rund 3000 Beschäftigten bedeutet diese Übernahme, dass ihre Arbeitsverhältnisse mit allen Rechten und Pflichten auf den neuen Eigentümer übergehen", erklärte der Gewerkschafter in einer Aussendung.
Immobiliendeals nur "Randthema"
Die Kinder von Schleckergründer Anton Schlecker, Lars und Meike, kauften nach der Insolvenz von Schlecker Deutschland am 29. Februar 2012 laut Medienberichten zwei Grundstücke, und zwar die Schlecker-Logistikcenter in Pöchlarn sowie im steirischen Gröbming. Schon am 17. Jänner sollen sie außerdem die Österreich-Zentrale in Pucking (OÖ) übernommen haben.
Diese Immobilien-Deals der Schlecker-Kinder in Österreich seien hingegen nur ein "Randthema", meinte Philipp Kübber. Die deutsche Staatsanwaltschaft werde die Verkäufe überprüfen, weil sie Bestandteil der laufenden Ermittlungen seien.
Schlecker Österreich ist eine Tochter des insolventen deutschen Mutterunternehmens. Schlecker Österreich hat Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen von 174 Millionen Euro. Durch die Pleite von Schlecker Deutschland waren die hohen Forderungen der Österreich-Tochter praktisch wertlos geworden. Ob der 28-Mio.-Euro Warenkredit der Insolvenzverwaltung an Schlecker-Österreich komplett zurückgezahlt wird, konnte Geiwitz-Sprecher Kübber nicht beantworten. "Ich kenne die Vertragsdetails nicht."
(APA)