Tourismus: Braucht das Land billige Ferienhotels?

Der heimische Tourismus sollte sich etwas von den Billigfluglinien abschauen, meint die Österreich Werbung und bricht eine Diskussion über Low-Budget-Hotels vom Zaun.

WIEN. Man sollte die Low-Cost-Diskussion nicht nur auf Airlines, sondern auch auf die österreichische Hotellerie ausdehnen, meinte Arthur Oberascher, Geschäftsführer der Österreich Werbung (ÖW), am Montag vor Journalisten in Wien. "Geiz ist geil" sei auch im Tourismus ein Thema, und dieses müsse diskutiert werden. Das Geschäftsmodell der "Low-Budget-Hotels" werde auch die Ferienhotellerie treffen, ist man bei der ÖW überzeugt.

Tatsächlich schaut der Urlauber in Österreich immer mehr auf seine Brieftasche. Vorerst muss das vor allem die Gastronomie schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Die Gäste sparen bei den sogenannten Nebenausgaben. Das Abendessen gibt es im Fastfood-Restaurant oder im Hotelzimmer, nachdem zuvor im Supermarkt eingekauft worden ist.

Die Manager von Österreichs größten Hotelketten sehen die Billig-Hotel-Debatte differenziert. "Österreich hat sich international als Qualitäts-Destination positioniert", betont Franz Pasler. Als Chef der Austria Trend Hotels des Verkehrsbüros ist er für 26 Hotels in Österreich verantwortlich. Er glaubt nicht, dass es eine Ziel-Gruppe für Low-Budget-Ferienhotels gibt. Im Gegenteil: Je mehr die Gäste durch Billigflüge sparen, umso mehr investieren sie in den restlichen Urlaub, ist Pasler überzeugt. "Österreich darf seine Qualitätsansprüche nicht senken", betont der Hotelmanager. Im internationalen Vergleich seien Hotels in Österreich ohnehin nicht teuer.

Wer an der Qualität spart, der werde bald mit Billig-Reiseländern wie Rumänien oder Bulgarien konkurrieren müssen, meinen andere Branchenkenner. Tatsächlich sind es die Privatpensionen im Ein- und Zwei-Sterne-Bereich, die in den vergangenen Jahren starke Einbrüche hinnehmen mussten.

Differenzierter sieht der Österreich-Chef der französischen Accor-Gruppe, Hans-Michael Leise, die Diskussion über Billig-Ferienhotels. "Ich könnte mir das sehr wohl vorstellen", sagt Leise. 26 der weltweit 4000 Hotels der Accor-Gruppe stehen in Österreich. Accor betreibt hierzulande zwei Low-Cost-Hotels unter dem Namen "Etap" in Wien und Salzburg. Ein drittes wird derzeit in Graz gebaut. Von den Geschäftszahlen seiner Zwei-Sterne-Hotels ist Leise "begeistert". Und er könne sich ein derartiges Hotel durchaus in den Alpen vorstellen. Etwa für Gäste, die zwar ein tolles Skigebiet wollen, aber kein teures Hotel brauchen.

Im Gegensatz zur Ferienhotellerie hat sich der Billig-Trend in Stadthotellerie längst durchgesetzt. Und er wird in der Stadt ein noch stärkeres Thema werden, sind die Experten überzeugt. "Nicht nur bei Geschäftsreisenden, auch bei Touristen", sagt Leise. 50 Prozent der Gäste in seinen Economic und Low-Cost-Hotels seien Touristen, berichtet Leise.

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