Die Energie Allianz bestreitet, Aufschläge auf Strompreise verlangt zu haben. Symptom einer Krise?
wien. Zuerst war Walter Barfuß alarmiert. Das war am 29. Juli, und Österreichs oberster Wettbewerbshüter hatte einem Bericht der "Presse" entnommen, dass die Energie Allianz (Regionalversorger aus Nieder- und Oberösterreich, Wien und dem Burgenland) der Verbundgesellschaft einen wettbewerbsrechtlich gewagten Vorschlag unterbreitet hatte: Schriftlich hatte sie festgehalten, dass der Verbund künftig seinen Endkunden einen Preisaufschlag von 15 bzw 20 Prozent verrechnen soll. Um zu verhindern, dass Kleinabnehmer einen Tarif bezahlen, der günstiger als der Großhandelspreis ist.
Mittlerweile ist Barfuß einigermaßen amüsiert. Denn nachdem er die Regionalversorger um Stellungnahme ersuchte, erfuhr er Erstaunliches: Die Energie Allianz leugnet die Existenz des Papieres. Das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder die Allianz hat ein eher saloppes Verhältnis zur Wahrheit. Oder das Papier stammt formal tatsächlich nicht von ihr - sondern von einzelnen Unternehmen der Energie Allianz.
Was wiederum Gerüchten über ein gröberes Zerwürfnis in der 1999 gegründeten Allianz neue Nahrung gibt. Die gemeinsame Vertriebsgesellschaft von EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und burgenländischer Bewag soll wegen der langwierigen Verhandlungen um die "Österreichische Stromlösung" (ÖSL) in der Krise sein: Seit mehr als drei Jahren wird über eine Vertriebsehe zwischen Allianz und Verbundgesellschaft verhandelt - und mittlerweile scheint einigen Mitgliedern der Energie Allianz (wie auch dem Verbund) die Lust an der ÖSL vergangen zu sein. Doch die Niederösterreicher und die Wiener beharren auf der rot-weiß-roten Stromehe. Und haben - auch dank der Tatsache, dass sie gemeinsam über 63 Prozent an der Energie Allianz GmbH verfügen - das Kommando übernommen.
Das zeigt sich auch an den letzten ÖSL-Verhandlungen: Die Allianz ist nur mehr durch EVN-Chef Burkhard Hofer und Wien-Energie-Boss Michael Obentraut vertreten. Der Chef der Energie AG Oberösterreich, Leo Windtner, lässt sich stets vertreten. Bewag und Linz AG fehlen komplett. Gerüchten zufolge stammt auch der Vorschlag, Preisaufschläge abzusprechen, von den Wienern und den Niederösterreichern. Unter dem Deckmantel "Energie Allianz".
Am Donnerstag scheiterte jedenfalls eine neuerliche ÖSL-Verhandlungsrunde. Obwohl es bereits weitgehend Einigkeit geben soll. Nur ein Punkt ist strittig, weil der Verbund kategorisch "Nein" sagt: die Preisabsprachen. Die offiziell ja gar nicht vorgeschlagen wurden.