Von der US-Notenbank wird derzeit keine Zinsänderung erwartet. Ein schlechter Arbeitsmarkt könnte aber im Herbst für Bewegung sorgen.
Trotz der Konjunkturflaute in den USA hält die Notenbank Federal Reserve (Fed) voraussichtlich noch still. Für den am Mittwochabend anstehenden Zinsentscheid des Offenmarktausschusses dürfte die Notenbank den Leitzins bei rekordniedrigen null bis 0,25 Prozent belassen und zunächst keine neue Konjunkturspritzen aufziehen. Die Wirtschaftsleistung war im zweiten Quartal zwar mit auf das Jahr hochgerechnet 1,5 Prozent enttäuschend ausgefallen und auch die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit bereitet den Notenbankern um Fed-Chef Ben Bernanke nach wie vor Kopfzerbrechen.
Dennoch ist die Wirtschaft aus Sicht vieler Fed-Beobachter noch nicht so schwach, dass ihr die Notenbank beispringen müsste. Das Konjunkturbild könnte sich aber im Spätsommer oder Herbst weiter eintrüben und die Fed noch zu einer dritten geldpolitischen Lockerung in großem Stil (QE3) bewegen.
Zweite Halbjahr entscheidend
Sie hatte sich auf ihrer Juni-Sitzung die Tür für eine solche Konjunkturstütze ausdrücklich offengelassen. Zugleich beschloss sie die sogenannte "Operation Twist" bis Ende des Jahres zu verlängern und dafür rund 267 Milliarden Dollar (217 Milliarden Euro) in die Hand zu nehmen. Sie schichtet hierfür allerdings nur ihre Wertpapierbestände so um, dass langfristige Zinsen sinken und sich Kredite verbilligen können.
"Bevor die Federal Reserve zu ihrer letzten Waffe greift, benötigt sie voraussichtlich weitere Belege dafür, dass die aktuelle Konjunkturdelle mehr ist als nur eine vorübergehende Atempause", meint der UniCredit-Ökonom und Fed-Beobachter Harm Bandholz. Bisher äußerte die Notenbank die Erwartung, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr schrittweise besser läuft. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Entwicklung am Job-Markt: "Falls wir keine andauernde Verbesserung am Arbeitsmarkt sehen, sind wir bei Bedarf darauf vorbereitet, weitere Schritte einzuleiten", betonte Bernanke.
Abwarten der Eurokrise
Gespannt blicken die US-Geldpolitiker zugleich auf zwei Schlüssel-Faktoren für die Konjunkturentwicklung, auf die sie keinen Einfluss haben. Zum einen müssen die USA mit massiven Folgen rechnen, falls jenseits des Atlantiks die europäische Währungsgemeinschaft ihre tiefgreifende Krise nicht in den Griff bekommen sollte. EZB-Chef Mario Draghi hat mit seinem Bekenntnis zur Rettung des Euro allerdings höchste Erwartungen an die Ratssitzung am Donnerstag geweckt. Anleger interpretierten seine Worte als Ankündigung unbegrenzter Käufe von Anleihen schuldengeplagter Staaten wie Spanien oder Italien.
Zum anderen laufen Ende des Jahres Steuervergünstigungen und Ausgabenprogramm in den USA aus. Experten warnen hinsichtlich dieser sogenannte "Haushaltsklippe" (fiscal cliff) bereits vor Rezessionsrisiken. Dieses Problem wird auch der US-Kongress vor Augen haben, der wahrscheinlich nicht vor den Präsidentenwahlen Anfang November eine Verlängerung der Programme angehen wird. "Da also erst kurz vor Ablauf der Frist am Jahresende eine Entscheidung getroffen werden dürfte, könnte allein die zunehmende Unsicherheit bereits das Wachstum belasten", warnt Bandholz.
Experten mit wenig Erwartungen
Ökonom Bernd Weidensteiner von der Commerzbank geht allerdings davon aus, dass diese Aussichten die Notenbanker bei der Zinssitzung am Mittwoch noch nicht aus der Reserve locken werden. "Auch rhetorisch wird die Fed aller Voraussicht nach nicht aufrüsten", sagt der Experte. So werde sie ihr Bekenntnis unverändert wiederholen, dass das wirtschaftliche Umfeld außerordentlich niedrige Zinsen bis mindestens Ende 2014 erfordere.
UniCredit-Mann Bandholz hält es jedoch für wahrscheinlich, dass das Niedrigzinsversprechen bei einer weiterhin schleppenden Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Wochen und Monaten auf Ende 2015 verlängert wird.
(APA/Reuters)