Als braver Europäer absolviert man seinen Erholungsurlaub im schönen Griechenland.
Als braver Europäer absolviert man seinen Erholungsurlaub im schönen Griechenland. Ja, schön ist es dort immer noch. Sogar viel sauberer als in den 1990ern, als die griechische Mülltrennung noch in war (sie trennten sich vom Müll, wo immer sie wollten). Doch etwas hat sich stark geändert im Jahr 2012: Sobald wir als Deutsch sprechende Touristen erkannt wurden, verloren Kellner, Busfahrer und Trafikanten jegliche Freundlichkeit, wurden wortkarg und grantig. In den 1980ern passierte das auch ab und zu: Dann musste man nur laut sagen, dass man aus Austria komme, nicht aus Germany.
Damals antworteten alte Männer dann „Oh, Austria! Good soldat. Germany: bad soldat“. Heute wird mit der deutschen Sprache sofort „Merkel“ verbunden, und dies macht die Griechen grantiger als jede Erinnerung an die beiden Weltkriege. Die griechische Freundin ging sogar so weit zu sagen, dass Merkel eigentlich der Hitler des 21. Jahrhunderts sei. So fanden wir uns in der Rolle der beschwichtigenden, informationsliefernden Mediatoren wieder. Genützt hat es nichts. Nächstes Mal drucken wir T-Shirts mit der Aufschrift: „Austria: We don't have kangaroos. And we don't have Merkel!“ VERS
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)