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Hartnäckige Hoffnungsschimmer für die Eurozone

(c) EPA (Oliver Berg)
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Im Dickicht der Schreckensszenarien wird eines übersehen: In den letzten Jahren hat sich eine Menge getan. So schließt sich die Wettbewerbslücke zwischen den Euroländern fast überall. Nur Griechenland ist anders.

Wien. Seit zwei Jahren dominiert in Europa die Hysterie. Politiker, Medien und Investoren finden unter den vielen Meldungen vom Untergang des Euro kaum noch Zeit zum Luftholen. Gewiss: Leicht war und ist die Situation nicht. Manchmal lohnt es sich aber durchzuatmen und einen Blick auf die Fakten zu werfen. Der zeigt: Die Wolken lichten sich. Die Wettbewerbslücke zwischen den Euroländern schließt sich. Das ist eine gute Nachricht, denn diese Wettbewerbslücke ist eine der Hauptgründe für die Schuldenkrise von heute.

„Wenn man von Griechenland absieht, schaut es gar nicht so schlecht aus“, sagt Bernhard Felderer, Chef des Staatsschuldenausschusses. Für die Zukunft der Eurozone ist er optimistisch: „Italien und Spanien machen Fortschritte. Auch Portugal ist auf dem richtigen Weg.“ Die südlichen Länder werden wettbewerbsfähiger. Die Anzahl der Güter, die aus dem Ausland gekauft werden, pendelt sich auf einem nachhaltigeren Niveau ein. Also dann, wenn sich die Einfuhren mit den Exporten in etwa die Waage halten. Dieses Verhältnis drückt sich in der Leistungsbilanz aus. Dort fallen Defizite an, wenn eine Volkswirtschaft mehr konsumiert, als sie produziert.

Spanien auf gutem Weg

Griechenland trieb dieses Spiel auf die Spitze. Am Höhepunkt 2008 lag das Leistungsbilanzdefizit bei etwa 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Seither steckt das Land in einer tiefen Rezession. Die Menschen können sich immer weniger Güter aus dem Ausland leisten. Das reduziert auch das Defizit in der Leistungsbilanz. Über diesen Weg hat Griechenland mittlerweile ein Drittel des Defizits abgebaut.

Portugals Defizit ist um etwa die Hälfte zurückgegangen, Spaniens gleich um fast zwei Drittel. „In Griechenland ist das nur auf einen Einbruch der Importe zurückzuführen. Die Exporte haben sich praktisch nicht bewegt“, sagt Felderer. „Spanien dagegen steht sehr gut da. Im Vorjahr konnten sie die Exporte um über 30 Prozent steigern.“ Zugleich seien die Importe um zehn Prozent gefallen.

Was Griechenland betrifft, ist der Ökonom nicht so optimistisch: „Ich weiß, ich werde wieder beschimpft für das, was ich sage, aber Griechenland ist in einer katastrophalen Verfassung.“ Franz Baltzarek, ein Wirtschaftshistoriker der Uni Wien, meint etwa: „Griechenland ist ein Entwicklungsland mitten in Europa.“

Griechenland ist aber auch ein Sonderfall. Die Situation ist mit keinem der anderen Länder in der Eurozone vergleichbar. Nur in Athen gibt es die Kombination von nicht funktionsfähigem Staat und schwacher Wirtschaft – ohne Aussicht auf Besserung. Wer jetzt anhand von Griechenland, dessen Wirtschaftskraft weniger als ein Fünfzigstel der Eurozone ausmacht, die Lage der Währungsunion beurteilt, macht einen Fehler. Glaubt man Bernhard Felderer, ist das Schlimmste an Einschnitten geschafft. „Spanien und Italien haben sicher schon zwei Drittel hinter sich. Portugal noch mehr“, sagt Felderer.

Felderer: Griechen raus aus Euro

Griechenland sei eine andere Geschichte. Sobald der IWF kein Geld mehr überweise, so Felderer, würde auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel den Rückhalt für die Griechenland-Hilfen verlieren. „Dann müssen die Griechen aus dem Euro raus.“ Genau damit rechnet Felderer auch. Das koste zwar Geld, aber Griechenland im Euro zu halten, koste auch „viel, viel Geld“.

Natürlich muss in Europa aus Sicht der Ökonomen noch viel passieren, um aus der Krise zu finden. Die Fortschritte, die in den vergangenen Monaten erkennbar waren, sollten zumindest ausreichen, um die Hysterie zu bremsen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)