D: Konsumverweigerer mästen Sparbuch

Flaue Investitionen. Statt in Anlagen und Konsumgüter fließt das Geld der Deutschen auf die Bank.

frankfurt (Reuter). Die Investitionsschwäche in Deutschland hat sich im Vorjahr weiter verschärft: Statt in Anlagen und Maschinen bzw. in Immobilien oder Konsumgüter floss das Geld von Unternehmen und Privaten in Bankeinlagen und auf Sparbücher. Nur drei Prozent des verfügbaren Einkommens seien wieder investiert worden. Somit seit man sogar noch unter den sehr niedrigen Vorjahreswerten gelegen, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Bundesbank-Monatsbericht für Juni. Dabei schöpften die Firmen ihre eigenen Mittel zur Finanzierung der Sachkapitalbildung noch nicht einmal voll aus.

Für die Bundesbank sind die schwächelnden Investitionen und der flaue private Konsum die Hauptgründe für die Konjunkturschwäche Deutschlands. Lediglich die Außenwirtschaft hatte zuletzt für Schwung in den Unternehmen gesorgt und das Wirtschaftswachstum gestützt. Das Ifo-Institut sieht den Grund für die Wachstumsschwäche ebenfalls in der Investitionsschwäche - allerdings betreffe dies nur das Inland. Im Ausland hätten deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren vier Mill. neue Jobs geschaffen. Dies hätte wohl die Arbeitskosten reduziert, die hohe Arbeitslosigkeit wirke sich jedoch fatal auf die private Konsumfreudigkeit aus, meint das Ifo-Institut.

Netto hätten die deutschen Unternehmen laut Bundesbank in den vergangenen vier Jahren im Schnitt nur 3,5 Prozent der Einkommen oder 65 Mrd. Euro investiert. In der Dekade zuvor hatte der Wert zehn Prozent betragen. Der Staat investierte trotz seiner hohen Neuverschuldung nicht einmal in Höhe seiner Abschreibungen. Während insgesamt die Anlageinvestitionen, die in den Vorjahren gesunken waren, stagnierten, wiesen die Ausgaben für Ausrüstungen eine moderate Zunahme auf. Die Bautätigkeit wurde dagegen erneut erheblich eingeschränkt.

Vom Volumen her sind die privaten Haushalte der Sektor mit der größten Sachvermögensbildung. Auf sie entfielen zuletzt etwa zwei Drittel aller Investitionen. 2004 ließen die Investitionen der privaten Haushalte etwas nach, nur noch zwei Prozent des verfügbaren Einkommens wurde in Sachwerte investiert. Mitte der 90er Jahre waren es noch 6,5 Prozent. Diese Entwicklung ist vor allem auf den nachlassenden Wohnungsbau zurückzuführen.

Im Gegensatz zur Investitionsbereitschaft nahm die inländische Spartätigkeit 2004 deutlich zu, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht weiter. Sie lag mit 125 Mrd. Euro sogar um ein Viertel über dem Vorjahreswert und erreichte damit fast die Höchststände zu Beginn der 90er Jahre. Für diesen Anstieg war vor allem die bessere Ertragssituation der Unternehmen verantwortlich.

Auch die privaten Haushalte sparten: Ihr Geldvermögen übertraf Ende 2004 erstmals die Marke von vier Bill. Euro. Abzüglich der Schulden (Kredite) hat sich das Nettogeldvermögen der privaten Haushalte seit Anfang der 90er Jahre mehr als verdoppelt. Mit 10,6 Prozent des verfügbaren Einkommens lag die Sparquote der deutschen Privat-Haushalte ein zehntel Prozentpunkt unter dem Vorjahr, aber mehr als ein Prozentpunkt über dem Stand von 1999. Als Ursache für die gestiegene Sparquote ortet die Bundesbank den schwierigen Arbeitsmarkt und das Bemühen um mehr private Altersvorsorge.

Das Ifo-Institut dämpft indes Befürchtungen, dass der gescheiterte EU-Gipfel die deutsche Wirtschaft weiter beeinträchtigen könnte. "Für den Warenaustausch hat das keine direkten Effekte", sagte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Neerb am Montag. Die politischen Konsequenzen seien gravierender. Er fürchtet, dass sich die europäische Dienstleistungsrichtlinie verzögere.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.