Syriern: UN-Beobachter abgezogen, Kämpfe gehen weiter

ziehen Haelfte ihrer Beobachter
(c) REUTERS (� Goran Tomasevic / Reuters)

Die Vereinten Nationen begründen den Abzug der Hälfte der Beobachter aus der stark umkämpften Metropole mit technischen Problemen.

In der seit zwei Wochen schwer umkämpften syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo haben die Vereinten Nationen laut Medienbericht die Zahl ihrer Beobachter deutlich reduziert. Ursache für den vorläufigen Abzug der Hälfte der Beobachter seien nicht die schweren Gefechte der vergangenen Tage, sondern technische Probleme, sagte eine UN-Sprecherin der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag).

Der Zusammenbruch des Mobilfunknetzes in Aleppo zwinge die UN zu diesem Schritt. "Sobald unsere Kommunikationsmittel wieder funktionieren, werden wir die Beobachter zurücksenden", sagte die Sprecherin. Nach Informationen der Zeitung seien 14 der 28 UN-Vertreter abgereist. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte sich am Freitag für eine Fortsetzung der UN-Präsenz in Syrien auch nach dem Ablauf des Mandats der Beobachtermission Unsmis am 19. August ausgesprochen.

Rebellen greifen Haus des Staatsfernsehens an

Gleichzeitig haben in der Nacht auf Samstag Rebellen das Gebäude des Staatsfernsehens in der umkämpften Metropole Aleppo angegriffen. Die Aufständischen hätten rings um das Haus Sprengsätze deponiert, seien dann aber bei dem Versuch, das Gebäude zu stürmen, von der syrischen Luftwaffe beschossen worden, teilte die im Ausland ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Daraufhin hätten sich die Rebellen, die nach eigenen Angaben die Hälfte der Stadt kontrollieren, zurückgezogen. Der Organisation zufolge gab es in zwei westlichen Stadtteilen von Aleppo zudem heftige Kämpfe.

Die amtliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte den Angriff auf die Niederlassung des Staatsfernsehens und berichtete von "Terroristen, die Zivilisten und das Gebäude angegriffen" hätten. Syrische Soldaten seien aber zur Verteidigung angerückt. Bei dem Vorfall seien "Terroristen getötet und verletzt worden", hieß es weiter. Mit dem Begriff "Terroristen" umschreibt die syrische Führung regierungskritische Demonstranten und Aufständische im Land.

Auf Betreiben Russlands und Chinas hatte die UN-Vollversammlung am Freitag eine geplante scharfe Verurteilung des syrischen Regimes nur in deutlich abgeschwächter Form angenommen. Die nicht bindende Resolution, die die zunehmende Gewalt in Syrien anprangert, wurde von 133 der 193 Mitgliedsländer der UN-Vollversammlung gebilligt, bei 12 Gegenstimmen und 31 Enthaltungen.

Die Teilnehmer konnten sich nicht auf die Forderung nach einem Rücktritt von Präsident Bashar al-Assad einigen. Moskau und Peking hatten im letzten Moment auch eine Verurteilung ihrer Veto-Politik im Weltsicherheitsrat aus dem Text streichen lassen. Allerdings wird das Assad-Regime aufgefordert, seine Armee umgehend in die Kasernen zurückzuziehen.

Russland kritisiert Resolution

Russland kritisierte die Resolution scharf. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte am Freitag in New York, die Vorlage sei schädlich und "verberge eine offene Unterstützung für die bewaffnete Opposition". Syriens UN-Botschafter Bashar Jaafari beklagte sich unterdessen über Todesdrohungen arabischer Medien gegen sich und seine Familie. Vor der Abstimmung in der UN-Vollversammlung über die von Saudi-Arabien eingebrachte Syrien-Resolution am Freitag sagte Jaafari, Medien in Saudi-Arabien und Katar hätten ihm und anderen syrischen Diplomaten gedroht.

Nach dem angekündigten Rücktritt des Syrien-Sondergesandten Kofi Annan machten sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats gegenseitig für das Scheitern der Vermittlungsbemühungen verantwortlich. Die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice, kritisierte die Rolle Russlands und Chinas scharf: "Die Mitglieder, die das Handeln im Sicherheitsrat blockiert haben, haben den Einsatz von Annan unmöglich gemacht." Die beiden Vetomächte hatten im UN-Sicherheitsrat wiederholt Resolutionen gegen das Regime von Assad verhindert.

Russland warf dem Westen indirekt vor, Annan aus dem Spiel genommen zu haben, um freie Hand für den Einsatz von Gewalt zu haben. Annan hatte seinen Rückzug am Donnerstag auch mit der in seinen Augen mangelnden Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft begründet.

Töten geht weiter

In Syrien ging das Töten indes unvermindert weiter. Auch in der Hauptstadt Damaskus gab es schwere Kämpfe. Die Armee habe das südliche Viertel Tadamun "so heftig beschossen wie nie zuvor", teilte die Beobachtungsstelle mit. Auch im östlichen Bezirk Jobar gab es demnach Gefechte. Laut Sana ging die Armee auch hier gegen "Terroristen" vor. Eine "große Anzahl" von ihnen sei festgenommen oder getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur. Zudem seien Waffen beschlagnahmt worden.

Der der Opposition in Syrien nahestehenden Beobachtungsstelle zufolge wurden landesweit am Samstag mindestens 13 Menschen getötet, darunter jeweils sechs Menschen im östlichen Deir Essor und im Großraum Damaskus. Am Freitag starben demnach landesweit mindestens 84 Menschen, darunter 46 Zivilisten. Der blutig ausgetragene Konflikt im Land hält seit nunmehr eineinhalb Jahren an.

 

(APA/dpa/AFP)