AK : Barrieren für ausländische Arbeitskräfte

Deutsche entdecken den österreichischen Arbeitsmarkt. Die AK will deshalb weniger Saisonniers ins Land lassen.

Wien. Sind die Deutschen unsere "Feinde" oder doch eher die Türken, Bosnier oder Serben? In der Arbeiterkammer (AK) gehen die Meinungen auseinander. Am Dienstag meinte der Tiroler AK-Präsident Fritz Dinkhauser, Deutsche seien "Feinde" des heimischen Arbeitsmarkts. Am Mittwoch sagte AK-Präsident Herbert Tumpel zur "Presse": "Ich würde keinen Arbeitnehmer als Feind bezeichnen." Doch auch er möchte Job-Barrieren für Ausländer.

"Gegen die Deutschen gibt es keine Möglichkeit der Restriktion", weiß Tumpel. Als EU-Bürger müssen sie Österreichern am Arbeitsmarkt gleichgestellt sein. Von Jänner 2003 bis Mai 2005 stieg die Zahl der deutschen Arbeitnehmer von 30.000 auf 45.000 an. Allerdings arbeiten 56.000 Österreicher (nicht 300.000, wie Wirtschaftsminister Bartenstein im "Presse"-Interview irrtümlich behauptet hat) in Deutschland.

Da Deutschen kein Riegel vorgeschoben werden kann, fordert Tumpel: "Das Kontingent für Saisonniers muss deutlich reduziert werden." In Österreich steige die Arbeitslosigkeit, die Kontingente der Saisonniers werden trotzdem erhöht, sagt Tumpel. Waren es 1999 noch 12.000, arbeiteten 2004 etwa 33.000 Saisonniers in Österreich. Saisonniers sind Arbeitskräfte aus den Nicht-EU-15-Ländern, die eine befristete Arbeitserlaubnis erhalten. Sie werden vor allem in der Landwirtschaft und im Tourismus benötigt.

Tumpels Forderung stößt im Wirtschaftsministerium auf Ablehnung. "Die Kontingente wurden in Zeiten erhöht, als die Beschäftigung sehr gut war und die Arbeitskräfte dringend benötigt wurden", sagt Ingrid Nemec, Sprecherin des Ministers. In jüngster Zeit wurden die Kontingente aber gesenkt. So seien heuer 5902 Saisonniers im Sommertourismus beschäftigt. Im Vorjahr waren es 6455.

Das Wirtschaftsministerium verweist auf die Vorteile des Saisonnier-Modells. Während ein Saisonnier, wenn es keine Arbeit mehr gibt, in sein Heimatland zurückkehrt, haben Deutsche in Österreich Anspruch auf Arbeitslosengeld. Eine Umschichtung würde dem Staat somit mehr kosten.

Roland Garber von der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer meint: "Deutsche füllen die Lücke auf. Ohne sie bräuchten wir noch mehr Saisonniers."

Warum werden keine Österreicher eingestellt, wo im Juni mehr als 30.000 in der Tourismusbranche arbeitslos gemeldet waren? Unter den 30.000 Arbeitslosen befänden sich fast 8000 Personen, die gar nicht im Tourismus arbeiten wollen, meint Garber. In Wahrheit sei der Tourismus ein Beschäftigungsmotor. Im Vorjahr arbeiten 159.000 Menschen im Fremdenverkehr. Fünf Jahre zuvor waren es 147.000.

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