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Fall Strasser: „Laden Sie den Verantwortlichen nach Wimbledon ein“

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Ex-ÖVP-EU-Parlamentarier und Innenminister Ernst Strasser gab den als Lobbyisten getarnte Journalisten der britischen „Sunday Times“ zwischen Ende 2010 und Anfang 2011 Tipps, wie man in der Politik Erfolg hat.

Wien/APA/red. In der Lobbying-Affäre um den früheren ÖVP-Europaabgeordneten Ernst Strasser, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Bestechlichkeit ermittelt, sind neue Details aufgetaucht. Der „Kurier“ zitiert in seiner Sonntagausgabe aus Protokollen jener Gespräche, die als Lobbyisten getarnte Journalisten der britischen „Sunday Times“ mit Strasser zwischen Ende 2010 und Anfang 2011 geführt haben.

Strasser plaudert in diesen Gesprächen nicht nur über seine Kunden und Geldflüsse, sondern gibt auch praktische Tipps, an wen man sich in der Politik am besten hält, um etwas zu erreichen: „Ich war in meiner Karriere immer sehr gut zur Sekretärin/zum Sekretär der Leute, weil sie die Termine vereinbaren, sie sagen, wer auf der Telefonliste ist, und, und, und. Also ich hatte damit Erfolg, auf all diese Personen zu achten.“
Und weiter, was den Umgang mit EU-Kommissaren und deren Beamten betrifft: „Sie führen den Verantwortlichen in der Kommission für ein Wochenende nach Portugal. [. . .] Ja, mit ihm Golf spielen oder was auch immer, ja, laden Sie ihn nach Wimbledon ein.“

Der ehemalige Innenminister erläutert zudem, weshalb er als EU-Parlamentarier in die Politik zurückgekehrt sei: „Mein Parteiführer (Josef Pröll, Anm.) hat mich gebeten, Spitzenkandidat der ÖVP für den Wahlkampf zu werden. Und Gott sei Dank haben wir den Wahlkampf gewonnen. Und jetzt bin ich hier. Es ist ein Versehen, wenn man so will. Und für mich ist es natürlich wunderbar, weil ich unserem Parteivorsitzenden gesagt habe: ,Ja, ich mache das, aber ich will meine Firma haben. Und nach diesen fünf Jahren oder so will ich zur Gänze meine Firma führen.‘“

„Alle Parlamentarier faul wie ich“

Nach seiner Zeit als Innenminister habe er EU-Kommissar werden wollen, aber das habe nicht funktioniert, weil EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso eine Frau aus Österreich gewollt habe. Kommissarin wurde in der Folge die damalige Außenministerin Benita Ferrero-Waldner. „Also bin ich in eine Investmentbank gegangen, um Erfahrungen zu sammeln“, erzählt Strasser seinen Klienten.

Auch über andere mutmaßliche Kunden von Strassers angeblichen Lobbyingaktivitäten – er selbst hat den Verdacht der Korruption immer bestritten und behauptet, die Gespräche mit den Briten geführt zu haben, um ihre Hintermänner aufzudecken – spricht der damalige Parlamentarier: „Die Lotterien, die zahlen mehr, die zahlen mehr. [. . .] Sie haben viel Geld, es war gutes Geld, und ich glaube, wir haben gute Arbeit geleistet. Sie mussten viel zahlen.“

Weiters verrät Strasser den getarnten Journalisten: „Die meisten Parlamentarier sind so faul wie ich, die ganze Arbeit machen die Mitarbeiter, ja.“ Manchmal verrate er, wer sein Klient sei, manchmal nicht, manchmal wisse er nicht einmal, für wen er da zu lobbyieren versuche, wird Strasser dem „Kurier“ zufolge in den Protokollen zitiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)