Wiener Fahrschulen gehen die Schüler aus

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In der Bundeshauptstadt haben in den vergangenen Jahren immer weniger junge Leute den Führerschein gemacht. Nicht nur aus Kostengründen – vor allem in größeren Städten verliert das Auto seinen Wert als Statussymbol.

Wien. Der Führerschein verliert für junge Leute in Wien an Bedeutung. Besonders stark zu spüren bekommen das die Fahrschulen, die zunehmend um ihr Geschäft bangen. „Die Zahl der Führerschein-Neulinge ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Drittel gesunken, besonders deutlich war der Rückgang in den letzten fünf Jahren“, sagt Herbert Wiedermann, Fahrschulbesitzer und Fachgruppenobmann der Wiener Wirtschaftskammer.

„Wurden in Wien um die Jahrtausendwende pro Jahr rund 18.000 Neuanmeldungen verzeichnet, sind es mittlerweile nur noch etwa 12.000.“ Und der Rückgang halte an: „In den kommenden Jahren rechnen wir mit keiner nennenswerten Veränderung dieser Entwicklung.“

Ein Phänomen, das auch in anderen Ländern Europas und den USA zu erkennen ist. Während vor 30 Jahren acht von zehn 17- bis 19-jährigen US-Amerikanern den Führerschein besaßen, sind es heute nur sechs von zehn. Das zeigen Forscher der University of Michigan im Fachblatt „Traffic Injury Prevention“. In Deutschland machten von 2007 bis 2011 elf Prozent weniger Männer bis 24 Jahre die Pkw-Fahrerlaubnis. Bei den Frauen dieser Altersklasse lag der Rückgang dem Kraftfahrtbundesamt zufolge bei zehn Prozent.

Lieber Smartphone als Auto

Allerdings – dieser Trend weg vom Autofahren ist nicht überall gleich stark ausgeprägt. Wiedermann unterscheidet etwa zwischen Stadt und Land: „Auf dem Land hat der Führerschein immer noch einen ausgesprochen hohen Stellenwert und gilt als Eintrittskarte in die Freiheit.“ In der Stadt dagegen gebe es einen entgegengesetzten Trend. „Hier hat das Auto seine Bedeutung als Statussymbol verloren – außer bei Personen mit Migrationshintergrund.“ Auf sie übe der Führerschein nach wie vor eine enorme Faszination aus.

Besonders deutlich sei darüber hinaus zu beobachten, dass immer mehr Jugendliche den Führerschein aus Kostengründen nicht schon mit 17 oder 18 Jahren machen, „sondern erst Jahre später – nach Beendigung ihrer Ausbildung oder ihres Studiums“. Schließlich würden die doch recht hohen Kosten für den Führerschein mit denen für Mobiltelefon und Internetnutzung konkurrieren.

Geld für den Urlaub

„Die Prioritäten haben sich eindeutig verschoben“, bestätigt auch Walter Gerbautz, Fachgruppengeschäftsführer der Wirtschaftskammer Wien. „In größeren Städten verzichten viele junge Leute auf den scheinbaren Imagegewinn durch einen Führerschein und fahren mit dem bisschen Geld, das sie haben, lieber auf Urlaub.“

Darüber hinaus seien aber auch alternative Beförderungsmodelle wie private Fahrgemeinschaften auf dem Vormarsch, denn: „Irgendjemand aus dem Freundeskreis hat immer ein Auto. Daher verzichten viele auf ein eigenes.“ Hinzu komme, dass es durch den ständigen Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel in größeren Städten weniger Bedarf an einem eigenen Wagen gebe. „Nicht zuletzt haben viele junge Leute eine neue Einstellung zum Leben, legen Wert auf eine ökologische Haltung, das kann man durchaus als positiven Trend sehen. Auch wenn die Fahrschulen natürlich darunter leiden.“

Harte Zeiten für Fahrschulen

Dass die Zeiten für Wiener Fahrschulen keine leichten sind, ist aber nicht nur auf die sinkende Zahl der Fahrschüler zurückzuführen. Laut Gerbautz machen den Fahrschulen vor allem die steigenden Energiekosten zu schaffen.

Daher fiel die aktuelle Bilanz aus dem Geschäftsbericht 2011 für die Fahrschulen auch nicht besonders erfreulich aus. „Die Ertragslage ist vor allem durch die starke Erhöhung bei den Energiekosten und den KFZ-Betriebskosten gegenüber dem Vorjahr 2010 gesunken“, heißt es etwa darin.

„In Wien macht den Fahrschulen auch die Parkplatzsituation zu schaffen“, sagt der Fachgruppengeschäftsführer. „Auf dem Land mag das kein Problem darstellen, aber die Kosten für Abstellplätze können in Städten zu einer enormen Belastung werden.“ Die Rede ist von der Parkraumbewirtschaftung, die im Herbst noch auf weitere Bezirke ausgedehnt wird. Allerdings: Zuletzt konnte man eine Sonderregelung erzielen – so dürfen Fahrschulen für jedes Auto, das nicht untergebracht werden kann, um ein Parkpickerl ansuchen.

Ein weiterer Faktor ist auch die ständig wachsende Konkurrenz. Gab es in Wien vor 15 Jahren noch 260 Fahrschulen, sind es heute bereits 384. „Einige von ihnen“, sagt Fachgruppenobmann Wiedermann, „werden in den nächsten Jahren hart zu kämpfen haben.“

Kein Statussymbol. Der Autoführerschein verliert für junge Leute in Wien an Bedeutung. Gab es vor zehn Jahren noch rund 18.000 Erstanmeldungen, sind es mittlerweile nur noch etwa 12.000. Ein Trend, der auch in Ländern wie Deutschland und den USA zu beobachten ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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