Idee zum Führerschein: Ausbildung in der Schule

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Soll der theoretische Teil der Führerscheinausbildung im Schulunterricht angeboten werden? Experten glauben, dass diese Forderung der Sozialistischen Jugend "sinnvol sein kann".

Wien. 1500 Euro für die Ausbildung zum Führerschein sind zu viel. Zumindest sieht das die Sozialistische Jugend in der Steiermark so. Daher, so lautet eine aktuelle Forderung, soll in Zukunft zumindest der theoretische Teil für die Prüfungsvorbereitung kostenlos in der Schule stattfinden.

Was auf den ersten Blick wie ein geschickt platzierter Sommerloch-Aufreger aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinschauen zumindest als Anlass, die aktuell vermittelte Ausbildung (siehe Bericht oben) zu hinterfragen.

Für Fritz Menzl, Verkehrspädagoge und Querdenker in der Branche, kann der Vorschlag unter bestimmten Voraussetzungen „sogar sinnvoll“ sein. Hintergrund für seine nicht prinzipiell ablehnende Haltung ist das gegenwärtige Prüfungssystem, das bundesweit standardisiert und im Wesentlichen auf einen Multiple-Choice-Test reduzierbar ist. Menzl: „Individuelle Ausbildung gibt es im theoretischen Teil nicht mehr, als Lehrer muss ich nicht mehr hinterfragen, ob der Prüfling das vermittelte Wissen nur aufgenommen, oder auch verstanden hat.“ Der Einbau der Führerscheintheorie in den Unterricht könnte zu einem Qualitätsschub führen. Es sei schließlich „immer gut, wenn man Verkehrserziehung mit dem von geschulten Pädagogen vermittelten Hausverstand zusammenführt“.

32 zusätzliche Stunden?

Unterstützung für ihren Vorstoß erhält die SJ aus der steirischen SPÖ und vom parteinahen Autofahrerklub Arbö. Dessen Geschäftsführer, Hans Marcher, fordert „die Führerscheinausbildung als Ganzes zu reformieren“.

Die Details sind jedoch unklar. Eine theoretische Ausbildung für den Führerschein hat nämlich nur dann Sinn, wenn sie auch zeitnah zur Prüfung – also rund um die Vollendung des 18. Lebensjahres – stattfindet. Die laut Unfallstatistik größten Probleme machen jedoch eher die 15-jährigen Mopedfahrer. Und es stellen sich auch weitere Fragen: Was ist etwa mit Jugendlichen, die nach der Pflichtschule eine Berufsausbildung angefangen haben und mit 18 nicht mehr in die Schule gehen?

Ein weiteres Problem ist der Umfang der Theorieausbildung. Will ein Fahranfänger den Führerschein bereits im Alter von 17 Jahren machen, sind insgesamt 32 Unterrichtsstunden zu absolvieren. Ein Ausmaß, das die Lehrpläne zweifellos sprengen würde.

Ein Fahrschulbesitzer, der nicht namentlich genannt werden will, erwähnt noch ein Problem: Trotz des Vorwurfs zu hoher Preise würden Fahrschulen sehr knapp kalkulieren. Insbesondere Praxisstunden würden oft unter dem Marktwert (Stichwort: Wochenendfahrten) angeboten. Fallen nun die vergleichsweise einträglichen Theoriekurse weg, bei denen ein Vortragender mehrere Zuhörer gleichzeitig „bedienen“ kann, müssten die Fahrschulen die Preise für Ausfahrten „drastisch erhöhen“.

Ob es so weit kommt, ist fraglich. Das Bildungsministerium steht der SJ-Forderung skeptisch gegenüber. „Es müssen nicht alle Themen auch im Unterricht stattfinden“, heißt es aus dem Büro von Ministerin Claudia Schmied.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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