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Frauenbonus: Med-Uni drohen Klagen

Frauenbonus MedUni drohen Klagen
(c) APA (BARBARA GINDL)

Rund 100 gescheiterte männliche Bewerber haben sich bereits an die Studienvertretung der Wiener Medizin-Universität gewandt.

Sexismus, Betrug und Quotenspielerei: Nachdem in der Vorwoche die Ergebnisse des Eignungstests der Wiener Med-Uni bekannt gegeben wurden, geht es in einschlägigen Internetforen wie medizinstuidum.at nun rund. Gescheiterte männliche Bewerber fühlen sich benachteiligt – und drohen sogar mit Klagen gegen die Universität.

Doch von vorn: Zum ersten Mal wurden die Ergebnisse des Eignungstests für das Medizinstudium in Wien dieses Jahr genderspezifisch ausgewertet – zugunsten der weiblichen Prüflinge, die bislang stets deutlich schlechter abschnitten. Insgesamt knapp 4400 Kandidaten traten zum Test an, rund 56 Prozent der 740 Plätze gehen heuer an Frauen, erstmals ist das Verhältnis von angetretenen und aufgenommenen Bewerberinnen damit annähernd ausgeglichen.

Zahlreiche Männer sind nun überzeugt, dass sie ohne diese Auswertung einen Studienplatz bekommen hätten. Rund 100 gescheiterte Bewerber haben sich bisher an die Studienvertretung gewandt, viele von ihnen ziehen auch Klagen in Betracht. „Sie vermuten, dass sie in den Graubereich fallen, den die neue Auswertung berührt“, sagt der Chef der ÖH Medizin, Christian Orasche. Vermuten – denn wie der Eignungstest bei der traditionellen Auswertung ausgefallen wäre, gibt die Uni nicht bekannt.

Juristen sind geteilter Meinung

Was die Chancen einer Klage betrifft, sind die Meinungen geteilt: Der Grazer Jurist Joseph Marko sieht die „umgekehrte und indirekte Diskriminierung“ als rechtswidrig an, für den Verfassungsrechtler Heinz Mayer ist eine Klage zumindest „nicht aussichtslos“. Sein Kollege Bernd-Christian Funk hingegen hält die Maßnahme der Uni für einen rechtlich gangbaren Weg. Denn: Es handle sich nicht um eine Bevorteilung der Frauen, sondern um einen Nachteilsausgleich. So argumentiert auch die Medizin-Uni. Bei Klagen werde dies ausjudiziert.

Für eventuelle Kläger könnte das einen langen Weg durch die Instanzen bedeuten. Außerdem soll es ab kommendem Jahr ohnehin einen völlig neuen Test geben. 

(beba)