"Anuga" in Köln. Neue Trends wie Strohhalme mit Erdbeergeschmack werden aufgetischt.
Köln. "Ja, nur ein kleines Häppchen Schweizer Käse. Sehr gut, danke." 6294 Stände, vor jedem zweiten ein lächelndes Mädchen in Tracht. "Eine Kostprobe?" Südtiroler Speck. Vieles wird aufgetischt auf der weltgrößten Nahrungsmittelmesse. Von den ganz Großen, etwa Coca Cola mit ihrem Stand so groß wie ein halbes Fußballfeld. Dr. Oetker. Oder Warsteiner. Die Großen zeigen Größe und ihre sündhaft teuren Werbespots auf sündhaft teuren Flatscreens.
Irgendwo dazwischen steht John Rainbow, ein Australier Mitte fünfzig, und grinst. "Vor sechs Jahren hatte ich gemeinsam mit meinem Freund Peter Baron eine Idee", erzählt er. "Wir fragten uns, warum ist einfache Milch so billig und Bananenmilch so teuer?" Wer sich solche Fragen stellt, wird reich. Die beiden erfanden einen Strohhalm mit Bananengeschmack, einen mit Vanille-, Schoko- und Erdbeergeschmack. Ab sofort genügt ein Glas Milch, der Geschmack kommt aus dem Halm. Im Vorjahr begann Unistraw mit der Produktion. Australische Kinder fahren ab auf die Strohhalme. "Spiahh" heißt der Drink, der nun die Welt erobern soll. "Ein Strohhalm", erzählt ein Unistraw-Mitarbeiter, "wird etwa 25 Euro-Cent kosten."
Hier wimmelt es von kuriosen Innovationen. Ein deutscher Softdrink-Hersteller bewirbt orangefarbenes Sprudelwasser namens "Outox". Es wirkt gegen Kater, steht auf dem Prospekt. "Die Wirksamkeit dieses natürlichen Softdrinks wird von der Wissenschaft bestätigt." Dafür gab es sogar einen Preis auf der Anuga. "Krokodilfleisch? Muss man probieren, aber nur ein kleines Stückchen. Schmeckt - ein bisschen nach Handtasche. Aber sonst lecker."
Gaffel braut Bier in Köln. Etwa "1396". Es ist das erste Bier, das in ganz Deutschland "online" vertrieben wird. Es verfügt über ein "Thermoetikett": Erst, wenn das Bier unter acht Grad Celsius hat, erscheint auf dem Ettikett die Zahl 1396. "Also dann: Zum Wohl."
Ein niedliches Milchferkel hielt Franz Josef Grillmair unter dem Arm und ließ sich von einer Zeitschrift fotografieren. Tage später kam ein Anruf: "Ich will ihr Ferkel kaufen." Nicht lebend, sondern grillfertig. Der Bauer aus Sipbachzell bei Wels musste einen Nachbarn bitten, das Ferkel abzustechen. Durch diesen "Zufall" stieß er auf eine Nische. Heute produziert er jährlich 15.000 Milchschweine. Seine Firma heißt Grilly.
Grillmair fütterte die Ferkel mit Kräutern. "Rosmarin ist dabei, mehr verrate ich nicht", sagt er. Die Wirkung wurde von Experten der Uni Wien getestet. Fazit: Die Schweine sind nur unwesentlich gesünder als ohne Kräuter. Doch ihr Fleisch hat bis zu 80 Prozent weniger Cholesterin. Grillmair hat des Ferkels Kern entdeckt, strahlt und sagt: "Das ist eine Revolution in der Schweinebranche."
14 Hallen, 286.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. "Nein, nicht schon wieder ein Törtchen. Gibt's Magenbitter?" In Halle 13 sind die Getränke. Von Halle 3 bis 13 geht man eine halbe Stunde. Wenn man sich nicht ansprechen lässt, von knapp bekleideten, aufdringlich hübschen Mädchen. "Pharaoh's Wellnessdrink?" fragt Kleopatra. "Ein kleiner Schluck, höchstens zwei." Ibrahim Ezzat heißt der Chef. Seine Firma hat der Ägypter in Wien. "Wir mischen alte ägyptische Rezepturen mit gesundem, österreichischem Wasser", sagt er. Der Drink soll gegen Sodbrennen helfen. Karl Schmiedbauer ist im Stress. Der Wiesbauer-Chef ist ganz auf das kommende Mozartjahr fixiert. Mozart wird dann von der Schönbrunner Salami grinsen und den Mirabell-Braten zieren. Musik für den Gaumen, lautet der Slogan. Kaum bleibt Zeit, eine weitere Innovation anzupreisen. "Ketchi", die Extrawurst mit integriertem Ketchup. "Ich habe Enkerl und weiß, was die mögen", erzählt Schmiedbauer. So entwickelte er Wurst speziell für kleine Kunden.
"Du trinkst dich schlank mit Latella l.i.f.e." Das geht? "Das geht, weil in dem Fruchtmolkegetränk langsam Insulin freigesetzt wird", erklärt Carola Auer von Tirol Milch. Das bremst die Fettspeicherung und hilft beim Abnehmen, heißt es im Prospekt. Dem Getränk werden Akazien-Faserstoffe beigemengt. "Das wirkt sättigend", sagt Auer. Sättigend, Heißhunger. Ein Tag auf der Anuga, und diese beiden Worte kommen einem vor wie die reinste Provokation.