Tipps für die Uni, Kontakte in die Wissenschaft

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Immer mehr Universitäten und FHs stellen ihren Studenten auf Wunsch erfahrene Berater zur Seite. Funktioniert die Partnerschaft, sollten beide Seiten eingehend von einander profitieren.

Während der Irrfahrten des Odysseus bot sich sein Freund Mentor als Beschützer und Berater von Odysseus Sohn Telemachos an. Die Wortbedeutung ist dem Mentor bis heute geblieben. Er steht mit Rat und Tat zur Seite, um Irrwege seiner Schützlinge zu vermeiden. Was neuzeitlich vor allem an Hochschulen sehr gefragt zu sein scheint.

„Mentoring ist ein Prozess, bei dem eine erfahrene Person die berufliche und persönliche Entwicklung einer meist jüngeren fördert. Das Mentoring passt sich idealerweise individuellen Bedürfnissen der studierenden Mentees an“, beschreibt Angelika Hofhansl vom Department für medizinische Aus- und Weiterbildung die moderne Version. An der Med-Uni Wien startete das Pilotprojekt für Senior-Mentoring im Wintersemester 2009/10. 18 erfahrene Wissenschaftler/Mediziner stellten sich damals als Mentoren zur Verfügung. Zwei Jahre später sind es bereits mehr als 120. „Ein Mentor betreut in der Regel maximal fünf Mentees. Die Gruppe trifft sich etwa einmal pro Monat. Die Teilnahme ist freiwillig, eine gewisse Verbindlichkeit gegenüber Gruppe und Mentor wird aber vorausgesetzt“, so Hofhansl. Mentees sollten genügend Zeit für das zumindest einjährige Mentoring mitbringen, zudem werden Offenheit, Zielorientierung und Handlungsbereitschaft erwartet – ein Mentee ist nicht passiver Konsument, sondern aktiver Partner des Mentors.

Funktioniert die Partnerschaft, sollten beide Seiten eingehend von einander profitieren. Die WU bietet für das kommende Wintersemester 2012/13 erstmals ein umfassendes Begleitprogramm an – für Erstsemestrige, Studierende, die nach längerer Zeit wieder ein WU-Studium beginnen möchten, und jene Studenten, die Unterstützung bei der Orientierung an der WU benötigen. „Bei uns fungieren höhersemestrige Studierende als Mentoren, erleichtern den Einstieg ins Studium und stehen bei organisatorischen und inhaltlichen Fragen zur Seite.“

Beratung mit persönlichen Tipps und Tricks

„Die Mentees erhalten eine fundierte Beratung und persönliche Tipps und Tricks, wie sie das WU-Studium meistern können“, so Ute Steffl-Wais, Leitung Studienservices. Auch an der WU müssen Mentoren, deren (bezahlte) Tätigkeit acht Stunden pro Woche umfasst, Grundbedingungen erfüllen. So sollten sie einen ausgezeichneten Studienerfolg vorweisen und Prüfungen von mindestens 42 ECTS Credits abgelegt haben. Freude an Beratungstätigkeiten und Kenntnisse der WU-Struktur werden vorausgesetzt.

Die wissenschaftliche Laufbahn von jungen Forscherinnen zu fördern ist das Ziel von Mentoring III. Um Synergien zu nutzen und die interuniversitäre Vernetzung zu intensivieren wurde das Programm im Vorjahr von drei Universitäten – Johannes-Kepler-Universität Linz, Paris-Lodron-Universität Salzburg und Universität für Weiterbildung Krems – gemeinsam entwickelt. „Mentoring III ermöglicht pro Universität fünf weiblichen Nachwuchswissenschaftlern, im Rahmen von Face-to-Face-Mentoring und Workshops Kontakte zu etablierten Kollegen aus dem Wissenschaftsbetrieb aufzubauen“, erläutert Doris Czepa von der Donau-Universität Krems. Mentoring III soll laut Czepa „einen Beitrag zur Chancengleichheit von Frauen in Wissenschaft und Forschung leisten und den Frauenanteil in universitären Führungspositionen erhöhen“.

Mentoring-Programme erfreuen sich auch an Fachhochschulen wachsender Beliebtheit. An der FH Joanneum etwa werden im Rahmen der Mentoring Academy seit Oktober 2010 potenzielle Jungunternehmer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt. Als Mentoren fungieren erfolgreiche Vertreter aus der Wirtschaft. „Für die komplexe Aufgabe einer Firmengründung braucht es umfassendes Know-how. In der Mentoring Academy lernen die Teilnehmer, unternehmerisch und erfolgsorientiert zu denken. Die Academy soll jungen Menschen zudem die Selbstständigkeit als attraktiven Karriereweg näherbringen“, sagt Bernadette Frech vom Studiengang Management internationaler Geschäftsprozesse. Dort wurde das Mentoring-Programm ins Leben gerufen. Künftig soll es an der gesamten FH Joanneum weiterentwickelt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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