Der Absturz des Lieben Augustin

'AUGUSTIN-EIN KABARETTISTISCHES ROCKMUSICAL'
'AUGUSTIN-EIN KABARETTISTISCHES ROCKMUSICAL'APA/STADTSAAL
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Die Uraufführung des zum Rock-Kabarett mutierten Hörspiels konnte nicht überzeugen. Die Ironie ging nicht auf, die besten Sager aus der Originalversion funktionierten auf der Bühne überhaupt nicht.

Die Vorfreude war groß. Der „Augustin“ war einer der Geniestreiche des Trios Wolfgang Ambros / Manfred O. Tauchen / Joesi Prokopetz in der Blütezeit des Austropop. Nach „Watzmann“ (1974) und „Schaffnerlos“ (1978) setzte das dritte ironisch-böse Hörspiel 1981 noch eins drauf: die Geschichte des Wiener Volkssängers Augustin, der, ziemlich illuminiert, in eine Pestgrube fiel, seinen Rausch ausschlief und am nächsten Morgen lebendig diesem Grab entstieg – das Symbol für den Sieg über die Pest anno 1679.

Heute sind die drei Künstler hoffnungslos zerstritten. Der Watzmann wurde bereits in mehreren Fassungen auf die Bühne gebracht – zumindest kommerziell erfolgreich. Nun versuchte Tauchen dasselbe mit dem „Augustin“, Donnerstagabend erlebte das zum „kabarettistischen Rock-Musical“ mutierte Hörspiel im Wiener Stadtsaal seine Uraufführung. Dieser „Augustin“ ist aber – so wie die Figur in der Handlung – leider abgestürzt.

Die Originalfassung wurde um eine kleine Rahmenhandlung erweitert, für die man zwei neue Figuren geschaffen hat: Frau Pest, die gemeinsam mit ihrem Mann, Herrn Tod, nach Wien reisen wollte, und ein verarmter, vertrottelter Adeliger. In diesem neuen Rahmen strahlten nur Ambros' alte Kompositionen, die neuen Lieder – Gstanzln oder verwienerte Rock-Coverversionen – fielen dramatisch ab. Der erste Teil war total zerfleddert, lediglich eine Szene im zweiten Teil war wirklich gelungen – als Augustin mit dem Gevatter Hein Bruderschaft trinkt.

Der Rest konnte nicht überzeugen. Die Ironie ging nicht auf, die besten Sager aus der Originalversion funktionierten auf der Bühne überhaupt nicht. Schade, dass dadurch so manche schauspielerische Leistung entwertet wurde. Christian Clementa war ein vielschichtiger Augustin – auch wenn es mit seinen Sanges- und Gitarrekünsten nicht weit her ist. Tauchen war in der Mehrfachrolle als Witwe Mehlwurm, Pestknecht und Fischverkäufer umwerfend komisch, Wolfgang „Bamschabl“ Katzer als Tod wahrlich imposant.

bis 1.September, jeweils Donnerstag, Freitag, Samstag, 20 Uhr

www.stadtsaal.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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