Kombilohn. Das Münchner Ifo-Institut fordert Lohnzuschüsse für alle Bedürftige.
WIEN. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein will ein Beschäftigungspaket gegen die Arbeitslosen-Misere schnüren. Ein Lösungsansatz dabei ist der sogenannte Kombilohn. Um Unternehmen zu bewegen, Arbeitslose einzustellen, soll ein Teil des Lohnes von der öffentlichen Hand übernommen werden. Gewerkschafter lehnen das Modell ab. Sie sehen nur eine Subvention für Unternehmen und fürchten einen Verdrängungswettbewerb unter den Arbeitnehmern. In Deutschland, so argumentiert etwa der Chef der Privatangestellten-Gewerkschaft Wolfgang Katzian, seien derartige Modelle gescheitert.
Dies bestätigt auch Martin Werding, Arbeitsmarktexperte des Münchner Ifo-Instituts. "Der Erfolg ist nicht berauschend", sagt Werding zur "Presse". Das bedeute jedoch nicht, dass das Kombilohn-Modell prinzipiell schlecht sei, betont der Experte. Vielmehr müsse man damit nicht erst bei den Arbeitslosen, sondern schon bei den Beschäftigten ansetzen. Lohnsubvention müsse es daher für alle geben, die sozial benachteiligt sind, nicht nur bei den Arbeitslosen.
Bei der Subvention von Arbeitslosen entstehe nämlich ein sogenannter "Drehtür-Effekt". Unternehmen nehmen vom Staat geförderte, billige Arbeitskräfte auf - auf Kosten von nicht geförderten "normalen" Arbeitnehmern. Diese Gefahr besteht nun auch bei den von Minister Bartenstein vorgestellten Modell.
"Nicht Arbeitslosigkeit, sondern Arbeit subventionieren" lautet das Motto, betont Werding. Kombilohn müsse als grundsätzliche Alternative zum Arbeitslosengeld und zur Sozialhilfe verstanden werden. Er müsse auch jenen zustehen, die zwar Arbeit haben, aber unter dem Existenzminimum vegetieren. Damit würde der Drehtür-Effekt wegfallen. Denn die Lohnsubvention orientiert sich nicht nach der Lohnhöhe, sondern nach dem Existenzminimum. Derzeit seien Sozialhilfe und Arbeitslosengeld der größte Konkurrent am Arbeitsmarkt, so der Experte.
Zurück nach Österreich. "Wer 700 Euro Arbeitslosengeld kassiert, nimmt in der Regel keinen 800 Euro Job an", berichtet der Chef des AMS Niederösterreich, Karl Fakler. Grund: Der Arbeitslose verliert nicht nur sein Arbeitslosengeld, er verliert auch andere Begünstigungen wie etwa die Befreiung von der Rundfunk-, Medikamenten-, Telefongrundgebühr etc. Arbeitslosigkeit wird in Österreich also mehrfach subventioniert. Deshalb erwarten Arbeitslose "unrealistisch hohe Löhne", betont Werding.
Eine Subventionierung der Arbeit wie es derzeit vor allem in Großbritannien mit großem Erfolg praktiziert wird, sei eine "aktive Sozialleistungs-Strategie", meint Werding. Es wird für den Arbeitslosen "attraktiver" einen Billig-Job anzunehmen. Auch deshalb, weil dann das Arbeitslosengeld dramatisch reduziert wird. "Wer arbeiten kann, aber nicht arbeitet, bekommt sehr wenig", bringt es der Ökonom auf einen einfachen Nenner. Das System belohnt, jene die auch gewillt sind, schlechter bezahlte Arbeit anzunehmen. Laut einer Berechnung des Münchner Ifo-Institut würde der deutsche Staat durch so ein Modell jährlich bis zu neun Mrd. Euro einsparen.
Österreich verzeichnet derzeit die höchste Arbeitslosenquote seit den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Knapp 211.000 Menschen waren im Juli ohne Job. Mehr als 40.000 befanden sich in Schulungen des AMS.