Wozu neue Technologien für Lifte? Ein Rückblick auf den Paternoster (Personen-Umlaufaufzug) zeigt, was wir brauchen.
Der sympathischste Aufzug, den ich je benutzte, war der Paternoster im NIG (Neues Institutsgebäude) der Uni Wien. Ich fuhr sicher ein paar hundert Mal mit diesem eleganten Personenlift. Im höchsten Stockwerk gab es Schilder mit der Aufschrift „Weiterfahren ungefährlich“ – viele Leute, die das antiquierte Verkehrsmittel nicht kannten, fürchteten nämlich, dass sich die Kabinen am oberen Wendepunkt zum Parallelschacht auf den Kopf stellten.
Den unsympathischsten Aufzug, der mir unterkam, gebaut von der Firma Schindler, sah ich jüngst in einem neu eröffneten Hotel der Topkategorie. In dieser Liftkabine gibt es keine Knöpfe. Man muss vor dem Einsteigen sein Zielstockwerk in eine Art Bankomat-Tastatur eingeben, wonach ein Computer berechnet, in welchen der drei Aufzüge man zu steigen hat. Gemeinsam Reisende werden ungerührt in unterschiedliche Fuhren aufgeteilt, Effizienz sticht Freundschaft.
Steigt man versehentlich in die falsche der drei Kabinen, muss man aussteigen – innen sind ja keine Knöpfe – und neu gambeln. Abgesehen davon bricht das System zusammen, sobald zu viele Menschen drücken. Fluchend wünschen sich die Gäste den Normalo-Lift zurück.
Als ich wieder einmal im Lift-Nirwana des Superhotels wartete, kam mir der alte Paternoster im NIG in den Sinn. Zurück in Wien erkundigte ich mich und erfuhr, dass die technische Rarität vor ein paar Jahren ausgebaut worden war. Man hatte ihn offenbar „wegen Allgemeingefährdung“ aufgegeben. Die Uni ist so humorlos! Hatte sich letztlich vielleicht doch eine Kabine auf den Kopf gestellt?
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Nächste Woche verreist Timo Völker
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)