Österreich hat eine Medaillenhoffnung für künftige Olympische Spiele: Heeres- und Sportminister Darabos ist als Terminator eiskalt, wenn es um unbewegliche Ziele geht.
Dabei sein ist alles“, behaupten die wahren Olympioniken und die geborenen Verlierer. Das gilt auch für uns Medien, besonders während der Olympischen Spiele. Teufelsreporter folgen den Sportlern sogar bis in die Garderobe, um nah dran zu sein. Es gibt doch so viel zu holen! Hunderte Medaillen und tausende Geständnisse, egal ob von Siegern, Zweiten, Letzten. „Wir sind Olympia!“, heißt es im Chor.
Umso stärker schmerzt es jetzt, dass nur billiges Blech der Lohn jahrelanger Quälerei war – zwei vierte Plätze für die große Körperkulturnation! Da heult der Boulevard: „Der Druck war für Yvonne und Viktoria doch zu groß“, meint sehr persönlich tröstend die Krone über unsere Kanutinnen, die immerhin Fünfte im 500-Meter-Kanu-Sprint geworden sind. Das Massenblatt blickt aber nach diesem „Game over“ sofort in die Zukunft: (Wintersport-Funktionär) „Peter Schröcksnadel soll Sommersport retten“, heißt es laut „Geheimakte Rio“.
Nun wird also scharf geschossen. „Dabei sein ist zu wenig“, meint sogar das Magazin Format im Leitartikel und eröffnet so die Verteilungskämpfe um 200 Millionen Euro Subventionen. So viel Sportlichkeit hätte man dem Magazin gar nicht zugetraut. Noch direkter geht es Österreich an: „Jetzt ist alles aus!“, titelte das Gratisblatt, nachdem unsere „Kanu-Beautys“ die letzte Chance vergeben hatten. Und weiß sofort, wer die Schuldigen sind: Wurden Schuring und Schwarz gar „verheizt“, weil das ÖOC sie zu viel (Medien-)Rummel aussetzte?
Elite-Disziplin Köpferollen. Solche Amateure gehören bestraft. Österreich lässt den Hauptverantwortlichen für den Sport in diesem Land nachlegen: „Minister Darabos greift hart durch: Köpferollen nach London-Rückkehr.“ Der Sportminister habe sogar gesagt: „Ich werde die Diskussion in aller Schärfe führen.“ Vae victis! Ein rhetorischer Reformer, der das Bundesheer konsequent in ein professionelles Team für Rückzüge verwandelt, verspricht jetzt im Bundessport an sich die „komplette Neuordnung“.
Was hat den Burgenländer, der sich als Präsident des legendären Fußballklubs SC Kroatisch-Minihof um den Spitzensport in der Zweiten Klasse Mitte große Verdienste erworben hat, so erzürnt? Er mag keine „Olympiatouristen“, beichtete er dem Kurier: „Dass sich Leute, die einen 20., 25., 30. Platz erreicht haben, vor die Kamera hinstellen und sagen, wie sehr ihnen nicht die Atmosphäre im olympischen Dorf gefallen hat. Das ist am Beruf vorbei.“
Interessant! Der Herr Minister schätzt die Teilnahme an den Spielen als Beruf ein. Wahrscheinlich glaubt er sogar, er hätte in London auf der Tribüne gearbeitet. Die neue olympische Regel: „Hinweg mit den Amateuren!“ Dazu braucht es aber eine neue Disziplin: Handgranaten-Werfen. Darin dürfte Darabos eine Medaillenhoffnung sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)