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Der Trieb zum Sammeln und zum Bauen

Trieb Sammeln Bauen
(c) APA (Gert Eggenberger)
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Mit dem "Museum Angerlehner" bei Wels wird wieder ein neues Privatmuseum in Österreich gebaut. Was treibt Kunstsammler wie Essl, Liaunig oder Angerlehner zum eigenen Monument?

Es begann tatsächlich mit Briefmarken. Die darauf abgebildeten Bilder von Miró oder van Gogh haben den Unternehmensgründer Heinz J. Angerlehner (* 1943) von Beginn an fasziniert, erzählt er. Heute ist er in Pension und einer der größeren Sammler zeitgenössischer Kunst Österreichs. In 30 Jahren hat er 1500 Werke, vor allem österreichische Malerei ab 1950, ergänzt durch Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen, gekauft. Im Herbst nächsten Jahres eröffnet er das größte Privatmuseum Oberösterreichs. Der Umbau des ehemaligen Bürogebäudes und der einstigen Industriehalle des internationalen Montagetechnikkonzerns FMT in Thalheim bei Wels hat gerade begonnen.

Eine interessante Wiederverwertung für eine Industrieimmobilie: Erst durch den Umzug in eine neue Firmenzentrale hatte Angerlehner nämlich zu überlegen begonnen – was mache ich mit der leer stehenden Halle? Eine Kunsthalle und ein Veranstaltungszentrum zusammen mit der Gemeinde? Nein. Er kaufte die Liegenschaft schließlich aus dem Firmenvermögen heraus und begann, um „mehrere Millionen Euro“ aus seinem Privat- und Stiftungsvermögen ein „richtiges Museum“ zu planen, so Angerlehner. Einen Wettbewerb mit 16 eingeladenen Architekten und einer Jury unter strengem Vorsitz von Elke Delugan-Meissl gewann überraschend das Grieskirchner Büro Wolf Architektur, das die Halle u. a. mit einer schwarz changierenden Metallfassade versehen und durch einen Steg über die Traun mit Wels verbinden wird.

Angerlehner: „Das ziehe ich durch!“
Ein schillerndes Coming-out, denn bisher hat Angerlehner seine Sammlung im Stillen aufgebaut – informelle, abstrakte neoexpressive, figurative, fantastisch-realistische Malerei. Einem Landes- oder Bundesmuseum hat er seine Sammlung nicht angeboten. „Es ist niemand an mich herangetreten, und ich will mit meiner Sammlung nicht hausieren gehen“, sagt er. Dafür ist er „stolz“ sein eigenes Museum zu bauen, „das ich der Öffentlichkeit zugänglich mache. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich das auch durch.“

Ohne Subventionen? Bisher bekomme er keine. In Zukunft hoffe er für den laufenden Betrieb allerdings schon auf Unterstützung von der öffentlichen Hand. Zuerst wollte er aber „etwas Ordentliches schaffen“, 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und ein 50 Meter langes Schaulager werden zur Verfügung stehen. Mit wie vielen Besuchern er rechne, will Angerlehner allerdings nicht verraten. „Aber ich erwarte schon, dass das Museum gut angenommen wird, wir sind im Herzen Oberösterreichs, der Bezirk Wels hat ein großes Einzugsgebiet. Das ist auch eine Chance für die Region. Wir sind alle schon sehr gespannt.“
Spannungen versprechen Privatmuseen allemal. Für den Besitzer bedeuten sie ein Wechselbad der Gefühle zwischen dem Stolz der persönlichen Verwirklichung und dem Ärger über die auf lange Dauer meist fehlende (auch finanzielle) Anerkennung von Staat und Besuchern. Wie zermürbend das sein kann, sah man bei der Fürstenfamilie Liechtenstein, die das Museum in der Rossau schließlich schloss.

Eine große Ausnahme ist das „Essl Museum“, das 1999 als erstes Privatmuseum Österreichs in Klosterneuburg eröffnet wurde und sich bis heute nicht nur hält, sondern zu einem Publikumsliebling entwickelt hat. Mit der rund 7000 Werke nationaler und immer mehr internationaler Künstler umfassenden Sammlung spielt Karlheinz Essl allerdings in einer anderen Liga als die meisten anderen Kunstsammler in Österreich. Für sein Museum konnte er mit langem Atem sowie Investitionen in die Vermittlung und ins Ausstellungsprogramm ein Stammpublikum aufbauen.

Liaunig: Platznot! Nach Essl und vor Angerlehner hat sich der Kärntner Industrielle Herbert Liaunig zu einem öffentlichen Bau für seine Kunstsammlung entschlossen. 2008 hat er im vergleichsweise abgelegenen Neuhaus im Bezirk Völkermarkt aus privaten Mitteln einen spektakulären Bau um relativ wenig Geld hingestellt, bzw. vom dafür mehrfach ausgezeichneten Büro „Querkraft“ hinstellen lassen. Auf 3200 Quadratmetern sah man hier einen Querschnitt der österreichischen zeitgenössischen Kunst – bis zur Eröffnung des „21er Hauses“ heuer in Wien jahrelang der einzige Ort in Österreich, an dem man sich permanent einen Überblick verschaffen konnte.
Ein gesamtösterreichischer Bildungsauftrag an der österreichisch-slowenischen Grenze? Nein, Liaunig motivierte eher das schiere Platzproblem zum eigenen Museum gegenüber dem Wohnhaus – „Sammler haben immer zu wenig Platz und zu wenig Geld“, sagt er.

Jahrelang war auch seine heute rund 3000 Werke umfassende Sammlung „eingemottet“, wie er es beschreibt: „Ich wollte sie endlich einmal sehen.“
Hätte er sie an ein Museum gegeben, geschenkt oder geliehen, wie er es hin und wieder, beim Kärntner Landesmuseum oder dem Belvedere, gemacht hatte, „wäre genau dasselbe Schicksal eingetreten: Die Arbeiten werden verpackt, verschwinden im Depot und tauchen nie wieder auf“, berichtet Liaunig von seinen Erfahrungen. Außerdem gebe es immer wieder den Verdacht, dass Sammler ihre Kollektion staatlichen Museen leihen nur um sie aufzuwerten, sagt er. „Wenn schon, dann müsste man sie einem Museum schenken. Als Sammler verstehe ich aber, dass man seine Sammlung gern um sich haben möchte.“ Einmal hätte er sogar ein Angebot gehabt, für seine Sammlung einen eigenen Museumsbau in Innsbruck zu bekommen. „Dann hätte ich zwei Tage hin- und zurückfahren müssen, um meine Bilder zu sehen!“
Heute braucht er praktisch nur die Straßenseite zu wechseln. Und Besucher brauchen sich nur anzumelden um eine Führung zu bekommen. Zu Spitzenzeiten kommen bis zu 200 Besucher an einem Wochenende. Weshalb Liaunig einen größeren Parkplatz braucht. Unterstützt ihn die Gemeinde dabei, wird er nächsten Herbst mit der Errichtung eines Erweiterungsbaus und eines Skulpturengartens beginnen, sagt er. „Mit 7000 Quadratmeter würden wir dann zu den großen Museen in Österreich gehören.“

Doch ein wenig eitel vielleicht? „Die Architektur ist natürlich viel hartnäckiger und beständiger als eine Kunstsammlung allein. Aber wenn ich die Augen schließe, ist das Thema beendet. Und vom Nachruhm hat man nicht sehr viel.“

Bogner: „Ohne Wenn und Aber.“ Dass Schenkungen aber auch andere „Schicksale“ als die Deponierung erleben können, beweist das Sammlerpaar Gertraud und Dieter Bogner, die zwar ebenfalls im Schloss Buchberg einen Kunstraum betreiben, wo sie immer wieder Teile ihrer Sammlung konstruktiver und geometrischer Kunst zeigen (zum Beispiel wieder ab 18. August). Die über 40 Jahre gesammelten Werke fließen in den vergangenen Jahren aber v. a. mittels Schenkungen an österreichische Museen ins kollektive Gedächtnis ein – und zwar „ohne Wenn und Aber“, so Dieter Bogner, also ohne Auflagen zu Präsentation, Aufarbeitung etc. „Das soll auch ein klares Statement gegen die Forderungen anderer sein“, betont er.

Das Wiener Museum moderner Kunst bekam die großzügigste Schenkung bisher. Das Belvedere konnte sich ebenfalls etwas aussuchen, das Niederösterreichische Landesmuseum auch, zuletzt das Wien Museum. Bis 21. Oktober ist hier noch die Sonderausstellung „Neu im Museum. Schenkung Dieter und Gertraud Bogner: Adrian, Joos, Painitz“ zu sehen. Die Bogners versuchen schwache Bestände zu ergänzen, Lücken zu schließen. „Ganz pragmatisch muss ich aber auch sagen: In den Museen sind die Arbeiten einfach dauerhaft gut aufgehoben“, so Bogner. „Ein gutes Museum ist ein Paternoster-System, das zwischen Depot und Ausstellungsfläche für einen ständigen Austausch sorgt. Die guten Sachen werden zu sehen sein. Ich habe da eine sehr entspannte Haltung.“

www.museum-angerlehner.at
www.museumliaunig.at

„Neu im Museum. Schenkung Dieter und Gertraud Bogner: Adrian, Joos, Painitz“: Bis 21. Oktober im Wien Museum. www.wien-museum.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)