Wirtschaft: "2012 gibt es Vollbeschäftigung"

Die Wirtschaft wird jedes Jahr zumindest 25.000 Einwanderer brauchen. Nicht einmal drei Prozent arbeiten bis 65.

"Wir werden im Jahr 2012 wieder Vollbeschäftigung haben. Unternehmen werden ihren Mitarbeitern den roten Teppich auslegen, damit sie bleiben." Mit dieser These ließ Zukunftsforscher Bernd Marin Mittwochabend bei einem Vortrag in Wien aufhorchen. Es werde sogar notwendig sein, jährlich 25.000 Einwanderer ins Land zu lassen, damit der durch die sinkende Geburtenrate verursachte Arbeitskräftemangel ausgeglichen werden könne. Zusätzlich müsse man alles unternehmen, damit die Menschen auch tatsächlich bis zum 65. Lebensjahr arbeiten.

Marins These stößt bei Gernot Mitter, Arbeitsmarkt-Experte der Arbeiterkammer, auf vehemente Ablehnung. "Die Demografie ist kein Ruhekissen für die Arbeitsmarktpolitik", sagt Mitter. Neben der Bevölkerungsentwicklung seien vor allem die Entwicklung der Konjunktur und der Produktivität bedeutend. Und es mehrten sich die Hinweise, dass in absehbarer Zukunft kein konjunktureller Aufschwung kommen werde. Mitter: "Demografie wird das Arbeitslosenproblem auf keinen Fall lösen."

Alexia Fürnkranz-Prskawetz vom Institut für Demografie an der Akademie der Wissenschaften betont, dass der Anteil der 15- bis 65-Jährigen ab dem Jahr 2012 nicht mehr steigen werde. Ab diesem Zeitpunkt werde die Arbeitsbevölkerung sinken.

"Das bedeutet aber nicht, dass die Arbeitslosigkeit sinken wird", sagt Mitter. Vielmehr würde das Alter der Beschäftigten steigen. "Heute liegt das Durchschnittsalter einer Belegschaft bei 35 Jahren. In sieben Jahren wird es bei 42 Jahren sein." Diese Entwicklung werde in den Unternehmen nicht gesehen, fürchtet Mitter. Denn ältere Beschäftigte bedingen ein Mehr an Aus- und Weiterbildung und gezielte Gesundheitsvorsorge.

Im Wirtschaftsministerium nimmt man hingegen Marins These von der Vollbeschäftigung mit Wohlwollen auf. "Arbeitslose Lehrlinge werden wir bald keine mehr haben", sagt Johannes Kopf. Und natürlich ist Vollbeschäftigung eine Frage der Definition: Kopf definiert Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote unter vier Prozent. Null Prozent seien illusorisch. Schließlich gebe es immer wieder Menschen, die den Job wechseln und zwischendurch wenige Monate arbeitslos seien.

Die Bevölkerungsentwicklung werde dazu führen, dass "die Firmen ältere Mitarbeiter im Unternehmen halten wollen", anstatt sie wie jetzt in Altersteilzeit oder Frühpension zu schicken.

Wie weit die Österreicher heute vom gesetzlichen Pensionsalter von 65 Jahren entfernt sind, zeigt Zukunftsforscher Marin auf: "Nicht einmal drei Prozent arbeiten bis 65." Vor allem die 50- bis 65-Jährigen müssten wieder verstärkt in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. In den skandinavischen Ländern seien mehr als 70 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe beschäftigt. In Österreich seien es 30 Prozent.

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