Olympia, ein Symptom für zu wenig Spitzenförderung

Gastkommentar.Dass Österreich bei Spitzenleistungen hinterherhinkt, zeigt sich nicht nur im Sport: Auch an Top-Unis sind wir unterrepräsentiert.

Das schlechte Abschneiden Österreichs bei den Olympischen Spielen ist zum Politikum geworden. Inadäquate Trainingsbedingungen und der generelle Mangel an Förderungen ermöglichen es österreichischen Sportlern derzeit nicht, sich im Spitzenfeld gegen die internationale Konkurrenz durchzusetzen.

Das „Österreichische Nachzügler-Syndrom“ ist weder neu noch auf den Sport beschränkt. Mit Ausnahme gewisser Wintersportdisziplinen fällt Österreich leider nicht nur was die Unterstützung der sportlichen Elite, sondern auch die Förderung der intellektuellen und akademischen Elite betrifft, immer weiter zurück.

Nachdem 2010 mit Abschaffung des Schumpeter-Stipendiums das letzte Vollstipendium für Österreicher an US-Universitäten eingestellt wurde, ist die Förderung österreichischer Studenten außerhalb Europas am historischen Tiefpunkt. Das einzige nun zur Verfügung stehende Stipendium für österreichische Studenten an US-Unis ist das Fulbright-Stipendium, das jedoch nur etwa 30Prozent der jährlichen Gebühren für Spitzenuniversitäten deckt.

Während in anderen Ländern die Tendenz zur Förderung steigt, ist für österreichische Spitzenstudenten das Gegenteil der Fall. Der internationale Wissensaustausch wird durch diese Kürzungen zusehends unterdrückt. Wir haben selbst erlebt, dass Österreicher, die an US-Spitzenuniversitäten aufgenommen wurden, ihren Studienplatz wegen mangelhafter finanzieller Mittel ablehnen mussten. So vergeudet Österreich nicht nur Talent und Repräsentation, sondern auch die Möglichkeit schnelleren wirtschaftlichen und intellektuellen Fortschritts.

Deutsche Studenten können sich dagegen bei über zehn staatlichen und privaten Stipendiumsorganisationen bewerben. Und ein Chilene, der an einer Ivy League School wie Harvard aufgenommen wird, bekommt ein Stipendium vom Staat, das Studiums- und Lebenserhaltungskosten abdeckt.

Trotz dieser düsten Situation schaffen es einige österreichische „Pioniere“ immer wieder, an Top-Universitäten in Nordamerika zum Studieren oder Forschen aufgenommen zu werden. Österreicher, die sich im Ausland aus eigener Kraft durchsetzen, kommen jedoch nur selten wieder nach Österreich zurück, wie eine Studie im Rahmen des jährlichen Treffens der ASciNA (Austrian Scientists in North America) 2010 belegte.

Eine effiziente Lösung wäre die gezielte Förderung von Österreichern an internationalen Spitzenuniversitäten. Abgesehen davon, dass wünschenswert wäre, dass Österreich mehr in junge, talentierte, ambitionierte Bürger investiert, wäre es auch im direkten Interesse des Landes, diesen Menschen die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen.

Förderungssysteme dieser Art in anderen europäischen Ländern wie Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zeigen, dass dem Auslandsstudium kein Brain-Drain folgen muss. In diesen Ländern sind nicht nur Stipendien vorhanden und die Anzahl der an Top-Universitäten Studierenden größer: Ein größerer Anteil der im Ausland Studierenden kehrt nach Abschluss des Studiums wieder in das Heimatland zurück, da es solide Reintegrationsprogramme und Förderungen gibt. Die Schlussfolgerung: Länder, die Spitzenstudenten und Spitzenakademiker vor, während und nach dem Abschluss ihres Auslandsstudiums unterstützen, ernten die Früchte dieser Investition.

Das schlechte Abschneiden in London sowie die Unterrepräsentation an US-Top-Unis sind symptomatisch für den generellen Mangel an Förderungen im Spitzenfeld. Da sich Österreich im 21. Jahrhundert aber nicht nur bei den Olympischen Spielen, sondern in allen Bereichen dem internationalen Wettbewerb stellen muss, ist ein bildungspolitischer Kurswechsel dringend vonnöten.


Die Autorinnen sind President und Vice President des Student Chapter im Harvard Club of Austria.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)