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Kinderarbeit bei Swarovski, Darbo? Experten prüfen

Mehrere Unternehmen, darunter Swarovski und Darbo, sollen Heimkinder ohne Lohn beschäftigt haben. Eine Kommission des Landes Tirol will nun die Vorwürfe klären.

Wien/Eko/Red. Der Umgang mit Insassen von Kinderheimen ist um eine weitere Dimension reicher: Nachdem die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs aufgearbeitet werden, tauchen Anschuldigungen auf, dass Heimkinder in Tirol Zwangsarbeit leisten mussten – eine eilig eingesetzte Kommission des Landes soll nun die Vorwürfe prüfen.

Die Gruppe bestehe aus Mitarbeitern der Jugendwohlfahrt und externen Experten, kündigte Soziallandesrat Gerhard Reheis an. Im Mittelpunkt stehen Vorwürfe, dass in den Sechzigerjahren Kinder der Landeserziehungsanstalt St. Martin Arbeiten unter anderem für den Kristallhersteller Swarovski geleistet haben. Die Rede ist von Akkordarbeit – so mussten Mädchen Kristalle auf Stoffbänder heften, berichtet eine ehemalige Heiminsassin dem „Kurier“. Für die Fließbandarbeit hätten sie so gut wie nie Geld gesehen. Danach tauchten Vorwürfe gegen weitere Unternehmen auf – so soll Marmeladenhersteller Darbo in den 1960er- und 1970er-Jahren auf die Arbeitskraft von 15- bis 18-jährigen Heiminsassen zurückgegriffen haben. Und auch der Leuchtenhersteller Eglo tauchte in Schilderungen ehemaliger Heimkinder auf.

 

Ander Bundesländer betroffen?

In einer Stellungnahme sagte Swarovski-Sprecher Markus Lange-Swarovski, dass die Thematik völlig neu sei, dass man aber „Verantwortung vollständig wahrnehmen“ werde. Der Konzern, will die Vorwürfe beleuchten lassen. Und auch Darbo und Elgo betonen, dass sie an Aufklärung interessiert sind. Bei Elgo bestätigt man, dass man „wenige Wochen“ mit Insassen gearbeitet habe, doch sei bezahlt worden. Sollte der Lohn nicht weitergegeben worden sein und sich das Heim bereichert haben, „war das eine kleine Mafia“, so Gesellschafter Ludwig Oberwieser. Auch bei Darbo gibt man an, dass es vor etwa dreißig Jahren eine kurzzeitige Zusammenarbeit mit zwei Heiminsassinnen gegeben habe – die damals etwa 15-Jährigen seien allerdings gesetzlich entlohnt worden.

Hinweise auf Fälle in anderen Bundesländern liegen bisher nicht vor. „Die bisher eingesetzten Kommissionen haben ihren Fokus auf allgemeine Zustände und Misshandlungen gelegt“, sagt ein Sprecher des zuständigen Wiener Stadtrats Christian Oxonitsch. „Es ist nicht auszuschließen, dass noch etwas hochkommt – aber bis jetzt haben wir noch keine Informationen dazu.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)