Nochmals V8 mit Turbo und ordentlich PS – aber auch viel mehr Gewicht, als einem Sportwagen ansteht. Wollten M-Autos von BMW nicht genau das sein?
Viel ist von Leichtbau die Rede. BMW beschwört Carbon als Werkstoff der Zukunft, dabei sind freilich noch drei Kleinigkeiten zu lösen: Die Herstellung von diesen Bauteilen muss dramatisch billiger werden, sie müssen einigermaßen reparierbar werden und sie dürfen sich nicht dauerhaft dem Recycling verweigern (bislang können nur Produktionsabfälle halbwegs sinnvoll wiederverwendet werden). Bis es soweit ist, sind leichte Autos, die man sich für Energieeffizienz und sportliches Fahren gleichermaßen wünscht, nur auf dem Weg der Reduktion zu haben.
Verzicht, ein anderes Wort dafür, ist aber nicht die Sache des M6 Cabrios. Der Zweisitzer (die hinteren Plätze reichen allenfalls kleinen Kindern) führt beachtliche 4,9 Meter Länge spazieren. Die Ausstattung an Bord entspricht einer Luxuslimousine. Das Dach (immerhin aus Alu) wird natürlich nicht händisch im Heck versenkt – man veranlasst das per Knopfdruck, und zwar bis etwa 50 km/h. Macht in Summe über zwei Tonnen Gewicht. Das hat mit purer Sportlichkeit, für die das M einmal stand, nicht mehr viel zu tun.
Nun sind bei der M-GmbH aber immer noch Könner am Werk. Zunächst wird beim Beschleunigen das Gewicht mit Leistung erschlagen: 560 PS machen Tempo 305 und Null auf 100 in 4,3 Sekunden möglich, und wenn dies vielleicht auch freundliche Werksangaben sind, so ist der 4,4-Liter-Twinturbo-V8 ganz zweifellos ein Motor, der das große und schwere Auto jederzeit fest in seiner Gewalt hat. Und er klingt fantastisch; fährt man nicht offen, hat man zumindest die Heckscheibe geöffnet, um sich an der Darbietung des Blechbläserquartetts zu delektieren. Auch das Fahrwerk tut sein Äußerstes – was allein die Bremsen leisten, lässt sich erahnen, wenn man das Auto nach rescher Fahrt abstellt: Mit der Hitze, die aus den Radkästen wabert, könnte man an kühlen Tagen einen ganzen Biergarten beheizen. Preis für die Materialschlacht gegen das eigene Gewicht: 152.950 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)