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Sprachspaltereien: Ipfi, Ulli und der Pol

Und wieder eröffnen wir mit einer Ouvertüre, einem Nachschlag zum Thema – vielleicht wird es ja das Finale.

Und wieder eröffnen wir mit einer Ouvertüre, einem Nachschlag zum Thema – vielleicht wird es ja das Finale. „Und achten Sie auf den Spalt zwischen Bahnsteig und Ouvertüre.“ So missverstand ein Jugendlicher längere Zeit die Ansage in der U-Bahn, à la „Mind the gap“. Die „Ouvertüre“ war in Wirklichkeit die U-Bahn-Türe, der musikalische Teenager fühlte sich an die beim Start des Zugs automatisch entstehende Tonfolge eines Akkordserinnert. Falls Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, diese Töne noch nie aufgefallen sind, fahren Sie doch einmal mit der Bahn zu den Salzburger Festspielen.

Da im Sommer ferienbedingt die Familie zusammenrückt, soll hier nochmalsaus dem kindlichen Nähkästchen geplaudert werden. Wissen Sie, was ein Pol ist? Nicht Nord- oder Südpol sind hier gemeint. Es handelt sich einfach um die Abkürzung für Polster, genauer Polsterüberzug, ohne den die dreijährige Nichte nicht existieren kann. Je nach Laune unterscheidet sie zwischen dem einen und –vorzugsweise – dem anderen Pol, obwohl es längst nur mehr einen einzigen, total zernudelten gibt. Eine Selbsttäuschung! Behaupte da noch einmal jemand, es gäbe keinen Unterschied zwischen derselbe und der gleiche!

Die Pol-Geschichte erinnert an ein anderes Kind, das seinerseits nicht ohne Ipfi und Ulli einschlafen konnte: den Pol(ster)zipf und den Schnuller. Was in beiden Fällen bleibt: angeknabberte Überzüge und sprachliche Kindheitserinnerungen. In diesem Sinne: Gute Nacht!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)