Wie man sich in großen Gebäuden besser orientieren kann

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Ein Wiener Start-up nutzt bei dem System »Indoo.rs« bestehende WLAN-Infrastruktur für die Lokalisierung in Gebäuden.

Die Idee kam Bernd Gruber, als er einmal acht Stunden auf einem großen Flughafen festgesessen ist. „Ich hatte Kopfschmerzen und bin auf der Suche nach einer Apotheke planlos durch das riesige Gebäude geirrt. Das war nicht so der Brüller“, erzählt der Programmierer, der an der Wirtschaftsuni Wien studiert hat. Er hätte sich damals ein Informationssystem gewünscht, das ihn rasch zu der ersehnten Erlösung von den Schmerzen hätte leiten können.

Das war vor vier Jahren. Zwei Jahre später war die Idee so weit gediehen, dass er gemeinsam mit seinem ehemaligen HTL-Schulkollegen Markus Krainz, ebenfalls Programmierer, das Unternehmen customLBS gründete.


Automatische Personensuche. Seither geht es Schlag auf Schlag: Eingemietet im Frequentis-Gründerzentrum in Wien Wieden und ausgestattet mit Kapital (und Know-how) aus dem AWS-PreSeed-Programm wurde „Indoo.rs“ so weit entwickelt, dass es nun in ersten Demo-Anlagen eingesetzt wird: Dieses System lokalisiert Personen in Innenräumen über ein Smartphone oder einen Tablet-Computer, ohne dass dafür zusätzliche Hardware notwendig wäre.

Genutzt werden dafür ausschließlich vorhandene WLAN-Funknetze. In einem ersten Schritt muss ein Gebäude einmalig exakt vermessen werden: um festzustellen, an welchem Punkt die Signale der einzelnen Sender (die alle über eindeutige Kennungen verfügen) wie stark sind.


Aktives WLAN. Mit diesen „Referenzdaten“ im Hintergrund kann man dann anhand der Stärke der WLAN-Verbindung und der Kennung der Sender die eigene Position bestimmen. „Dazu muss man nicht in ein WLAN-Netz eingeloggt sein“, erläutert Gruber. Es muss nur die WLAN-Funktion am Handy aktiviert sein.

Das klingt in der Theorie recht simpel, im Detail tauchen aber viele Probleme auf. So dämpft zum Beispiel der menschliche Körper die Funkstrahlen. „Die Stärke des Netzes kann sich um zehn bis 15 Prozent verändern, wenn man sich nur um 180 Grad um die eigen Achse dreht“, beschreibt Gruber das Problem.

Ein weiteres gravierendes Problem ist, dass jeder Handy-Typ anders ist – über einen anderen Chip-Satz verfügt, über andere Empfänger, die auch anders eingebaut sind. „Daher müssen die Referenzdaten auf jeden Handy-Typ abgestimmt werden“, sagt Gruber. Dafür wurde ein weiterer Algorithmus entwickelt, der auch das automatisiert durchführt.


Katastropheneinsätze. Wenn man all diese Faktoren im Griff hat, dann funktioniere die Innenraumlokalisierung gut. Geklappt hat es zum Beispiel kürzlich bei der Fachmesse British APCO, einem internationalen Forum für öffentliche Sicherheit, wo eine Live-Demonstration für Katastropheneinsatzkräfte durchgeführt wurde. „Für Einsatzleiter ist es wichtig zu wissen, wo genau sich die Feuerwehrleute im Gebäude befinden“, umreißt Gruber eine derzeit kaum lösbare Fragestellung. In solchen Fällen werde freilich eher kein Handy als Ortungsgerät eingesetzt werden, sondern ein in die Ausrüstung der Feuerwehrleute eingebauter („embedded“) Chip.


Sicherheitssysteme. Dieser Bereich ist für das Wiener Technologieunternehmen Frequentis sehr interessant, das neben der Kommunikationsausrüstung für Flughäfen u.a. auch Systeme für die öffentliche Sicherheit entwickelt und weltweit verkauft.

Für weitere Forschungsaktivitäten wird derzeit ein FFG-Förderantrag formuliert, ein Patent für die Technologie wurde bereits angemeldet. Das Interesse der potenziellen Kunden wurde jedenfalls bereits geweckt. „Bis Ende des Jahres haben wir noch einiges an Pilotprojekten vor“, sagt Gruber. Details, ob es sich dabei etwa um eine Messe, einen Flughafen oder ein Shoppingcenter handelt, will er derzeit nicht verraten. Nur so viel: Es gebe bereits Gespräche.

Förderung

Das PreSeed-Programm des Wirtschaftsministeriums (BMWFJ), das von
der AWS (Austria Wirtschaftsservice) abgewickelt wird, bietet Unterstützung für Hightech-Unternehmen in der Vorgründungsphase.

Ein Förderwerberkann einen Zuschuss von bis zu 200.000 Euro bekommen, um eine Idee oder ein Forschungsergebnis auf den Weg hin zu einem marktreifen Produkt zu befördern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)

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