Hotellerie: Das undurchschaubare 4-Sterne-System

In Österreich gibt es fast 2000 Vier-Sterne-Hotels. Bei dieser Vielzahl klaffen die Qualitätskriterien stark auseinander. Nun sollen die besseren Vier-Sterne-Häuser die Zusatzbezeichnung "Superior" tragen.

WIEN. "Weißt du wie viel Sterne stehen . . ." Dieses Lied wird in der heimischen Hotellerie im Schnitt alle drei Jahre gesungen. Dann schwärmen sogenannte Klassifikations-Kommissionen aus, um den Hotels die passende Anzahl an Sternen zu verpassen. Diese Kommissionen sind oft von Wirtschaftskammer-Funktionären besetzt. In der Regel sind es Hoteliers, die andere Hoteliers kontrollieren. Und von Kollege zu Kollege werde eher ein Auge zugedrückt, als ein Stern abmontiert, munkelt man in der Branche.

Jetzt gibt es in Österreich zwar "nur" 60 Fünf-Sterne-Hotels, dafür aber gleich 1928 Vier-Sterne-Herbergen. Längst hat der Gast den Überblick verloren, wo die Vier-Sterne qualitätsmäßig beginnt und wo sie aufhört. Deshalb will die Wirtschaftskammer eine Unterkategorie schaffen. Mit der Zusatzbezeichnung "Superior" sollen sich die besseren Vier-Sterne vom Rest abheben, sagt Hans Melcher, Obmann des Fachverbands Hotellerie. Melcher glaubt, dass etwa fünf Prozent der Vier-Sterne-Hotels dieser Aufwertung gerecht werden.

Was fehlt diesen Superior-Vier-Sternen zum fünften Stern? "Etwa der Nachtportier oder eine Küche, die 24 Stunden am Tag in Betrieb ist", sagt Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Mit einem Wort: Zum fünften Stern ist es noch immer ein enormer Kostensprung. Unter vier Sternen findet der Gast in Österreich hochklassige Häuser, die ihren Gästen gehobenen Standard wie Wellness- oder Fitness-Bereiche bieten, aber auch 30-Euro-Absteigen, deren vierter Stern etwa auf einem neu eingebauten Lift basiert.

Glücklich ist Sepp Schellhorn mit dem Superior-Vorhaben der Wirtschaftskammer nicht. Denn das wahre Problem werde dabei negiert. "Der Vier-Sterne-Bereich ist groß und undurchschaubar", kritisiert Schellhorn. Er plädiert für eine andere Kontrollinstanz. Statt der Sterndeuterei der Funktionäre solle eine unabhängige Agentur für die gastronomische Astronomie zuständig sein. Das hieße vermutlich, dass eine Reihe von Herbergen ihren vierten Stern verlieren. Aber, so mahnt Schellhorn: "Die Kategorien wurden für die Kunden und nicht für die Hoteliers gemacht."

Andernfalls, so befürchtet Schellhorn, werde es in zehn Jahren so viele Vier-Sterne-Superior-Hotels geben, dass eine weitere Unterteilung notwendig werde. Vielleicht eine Super-Superior-Vier-Stern-Kategorie? Es bliebe kein Stern auf dem anderen im heimischen Hotel-Universum.

Tatsächlich beginnt sich der Sternenhimmel in der Hotellerie ohnehin zu verdunkeln. Top-Hotels wie das Le Méridien und das Ambassador in Wien haben komplett auf eine Sterne-Kategorisierung verzichtet. Sie setzen auf die Strahlkraft ihres Namens und ersparen sich gleichzeitig so enervierende Diskussionen wie: Müssen in einem Fünf-Sterne-Hotel WC und Bad getrennt sein? Nur der Ordnung halber: sie müssen.

Der Griff nach den Sternen ist in Österreich übrigens freiwillig. Von den etwa 18.600 Betrieben lassen 9776 eine Klassifizierung über sich ergehen. Etwa die Hälfte, genau 4530, führen drei Sterne. 2898 begnügen sich mit zwei und 360 finden mit einem Stern das Auslangen. Dass es in Österreich einen Wildwuchs an Vier-Sterne-Betrieben zu geben scheint, zeigt auch ein Blick nach Deutschland. Dort sind 1674 Vier-Sterne-Hotels registriert, also um 254 weniger als in Österreich.

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