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Ungarn: Hetze gegen Juden empört Israel

(c) EPA (LASZLO BELICZAY)
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Bei einem Fußballmatch Ungarn–Israel in Budapest wurden antisemitische Slogans skandiert. Das Verhältnis Ungarns zu Jerusalem ist schon länger belastet.

Wien/Budapest/Apa/Red. Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Israel und Ungarn dürften sich weiter verschlechtern. In Israel sorgen nun Medienberichte für Aufsehen, wonach es vergangene Woche zu antisemitischen Zwischenfällen während eines Fußballspiels der ungarischen und israelischen Nationalmannschaft in Budapest kam. Die „Jerusalem Post“ kritisiert, dass sich die ungarischen Behörden bis jetzt noch nicht für die Vorfälle während des Spiels entschuldigt haben.

Ungarische Fans begleiteten das Abspielen der israelischen Nationalhymne mit Pfiffen. Manche wandten dem Spielfeld den Rücken zu. Zudem waren Zwischenrufe wie „Dreckige Juden“, „Buchenwald“ oder „Viva Mussolini“ zu hören. Auch palästinensische und iranische Fahnen wurden gesichtet. In einem auf YouTube veröffentlichten Videoclip ist zu sehen, dass es sich dabei nicht um Einzeltäter handelt. Ganze Fangruppen beteiligten sich an den Schmähungen.

 

Häufung antisemitischer Vorfälle

Bereits zuvor war es zu antisemitischen Vorfällen in Ungarn gekommen. Anfang Juni wurde ein Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde in Budapest attackiert. Rechtsradikale schändeten mehrere Holocaust-Mahnmale.

Zu einer diplomatischen Verstimmung kam es Ende Juni, als die Regierung in Jerusalem den ungarischen Parlamentspräsidenten Laszlo Köver von einer Israel-Reise ausgeladen hatte. Grund waren dessen öffentliche Sympathien für den rechtsextremen ungarischen Autor und Politiker aus der Nazi-Zeit, Jozsef Nyirö.

Der Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Israel, Efraim Zuroff, fordert bereits seit Jahren ein entschiedeneres Vorgehen der ungarischen Behörden gegen Antisemitismus. Dieser werde durch die ultranationalistische Jobbik-Partei gefördert, die die ungarische Mittäterschaft an den Holocaust-Verbrechen leugnet. Die jüngsten Vorfälle wiesen auf einen stark wachsenden Antisemitismus hin, sagt Zuroff.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

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