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Spanischer Ort droht "Stadt ohne Ersparnisse" zu werden

A Spanish flag flies next to the headquarters of Bankia bank in Madrid
REUTERS
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700.000 Anleger sind von einem Bankaktien-Skandal betroffen. Berater sollen riskante Papiere gezielt an schlecht informierte Kleinsparer verkauft haben.

Tausende von Spaniern haben Angst um ihre Ersparnisse und ihre Altersvorsorge. Sie hatten auf die Empfehlungen von Bankberatern gehört und Vorzugsaktien von Geldhäusern gekauft. Viele solcher Papiere verloren infolge der Bankenkrise die Hälfte ihres Werts und lassen sich nicht mehr abstoßen. In ganz Spanien sind nach Schätzungen von Verbraucherverbänden etwa 700.000 Anleger von dem Skandal um die Vorzugsaktien betroffen.
In Nordwestspanien muss eine ganze Kleinstadt befürchten, zu einer "Stadt ohne Ersparnisse" zu werden, wie die Zeitung "El País" schreibt. In dem galicischen Ort hatte ein großer Teil der 19.000 Einwohner Sparguthaben für Vorzugsaktien verwendet.

Spanische Banken und Sparkassen hatten in den vergangenen Jahren diese Papiere im Wert von insgesamt 30 Milliarden Euro abgesetzt, um Kapital zu mobilisieren. Der Vorwurf: Berater sollen gezielt Kleinsparer, Rentner und Ungebildete ins Visier genommen und sie mit Erträgen von bis zu 7,0 Prozent im Jahr gelockt haben. Was viele Kunden wohl nicht wussten: Diese werden nur gezahlt, wenn die Geldhäuser entsprechende Gewinne erwirtschaften. Zudem lassen sich die Vorzugsaktien nicht ohne weiteres verkaufen. Anders als Sparguthaben werden sie bei einer Bankenpleite nicht vom Garantiefonds abgesichert.

Wirtschaftsminister will Vorschriften verschärfen

"Die Vorzugsaktien sind komplexe Finanzprodukte und hätten nicht an Kleinsparer verkauft werden dürfen", meinte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. An diesem Freitag will die Regierung die Vorschriften für die Ausgabe solcher Papiere verschärfen. Die großen Banken wie Santander oder BBVA hatten bereits von sich aus ihren Kunden angeboten, die Vorzugsaktien, die kein Stimmrecht haben, gegen normale Aktien oder andere Wertpapiere einzutauschen.

Das Problem liegt bei Geldhäusern wie Bankia oder Novagalicia Banco, die nur mit staatlicher Hilfe vor einem Zusammenbruch bewahrt werden konnten. Die Vorzugsaktien dieser Banken lassen sich derzeit nicht einlösen. Und ausgerechnet diese Geldinstitute, die aus Zusammenschlüssen maroder Sparkassen hervorgangen sind, waren bei der Ausgabe von Vorzugsaktien besonders aktiv gewesen.

Regierung braucht Zustimmung aus Brüssel

Die Regierung würde den Kleinanlegern gerne helfen, aber sie steckt in der Klemme: Madrid hat die EU zur Rettung der Banken um eine Kredithilfe von bis zu 100 Milliarden Euro gebeten und kann in dieser Sache ohne Zustimmung aus Brüssel kaum etwas unternehmen. Die EU-Kommission verfolgt jedoch die Linie, dass bei der Sanierung der Banken auch die Aktionäre einen Teil der Verluste mittragen müssen.

"Banken, die staatliche Hilfen erhalten, dürfen die Steuergelder nicht dazu nutzen, ihre Kunden zu subventionieren", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. "Die Vorzugsaktien müssen zu Marktpreisen gehandelt werden." Dies bedeutet nach einer Schätzung von "El País", dass 50 bis 60 Prozent der Einlagen verloren gehen könnten.

Verbraucherverbände organisieren Sammelklagen von Betroffenen gegen die Geldinstitute. In zahlreichen Orten Spaniens verlangen Anleger auf Protestkundgebungen ihr Geld zurück. Am vorigen Wochenende kamen 5000 Sparkassenkunden in Galicien im Urlaubsort von Ministerpräsident Mariano Rajoy zu einer Demonstration zusammen. Der Regierungschef hatte sich allerdings vorher in den Süden des Landes aufgemacht.

(APA/dpa)