Erneute Kritik am "kernaktionärsfeindlichen" Übernahmerecht.
Wien (ps). Die Aktionärsgruppe rund um den Badener Wirtschaftsanwalt Rudolf Fries will ihre Sperrminorität beim Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm, die sie vor zwei Monaten aufgegeben hat, wieder zurück. Das bestätigte Fries am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. "Wir werden wieder zukaufen, wenn das Übernahmerecht es ermöglicht." Als Zielgröße nannte Fries 25 Prozent der Anteile oder mehr, also eine Sperrminorität.
Derzeit darf die Gruppe aufgrund eines Entscheides der Übernahmekommission keine Böhler-Aktien kaufen. Falls sie doch zukauft, würde die Gruppe ihre Stimmrechte und möglicherweise auch ihre Dividendenansprüche verlieren. Fries fühlt sich dadurch "wirtschaftlich enteignet". Über seine Beschwerde dürfte der Verfassungsgerichtshof erst in einem Jahr entscheiden. Fries hofft allerdings darauf, dass es bereits vorher zu einer Änderung des Übernahmerechts kommt, das eine klare Kontrollschwelle für Kernaktionäre vorsieht. Fries sprach am Donnerstag von 25, 30 oder 33 Prozent als mögliche Kontroll-Schwellen. Wo die Grenze eingezogen werde, sei letztendlich egal. Wichtig sei für Investoren bloß, dass es klare Grenzen gebe.
"Ich bin letztlich ein kleiner Provinzanwalt aus Baden."
Rudolf Fries, Wirtschaftsanwalt und
Böhler-Großaktionär
Im Rahmen der Kapitalerhöhung von Böhler-Uddeholm konnte die Gruppe keine Aktien zukaufen, weil die rechtlichen Bedingungen nicht klar waren, so Fries. Sobald es wieder Klarheit gebe, wolle man aber zukaufen, um eine etwaige feindliche Übernahme von Böhler zu verhindern.
Wenn man Zentralen in Österreich halten wolle, müsse es möglich sein, das vorhandene Kapital zu bündeln und für lokale Investments einzusetzen, so Fries. Er sieht seine Aktionärsgruppe als Gegenpol zu jenen "Abzockern", die zuletzt als Heuschrecken der Kapitalmärkte kritisiert wurden. "Der Aktienkurs ist mir egal. Wichtig ist mir eine gute Bilanz- und Dividendenpolitik."
Der Verkauf der BA-CA an die Münchner HVB sei "industriepolitisch einer der größten Fehler der zweiten Republik" gewesen, denn damit sei auch die Kontrolle über große Teile der heimischen Industrie ins Ausland gewandert. Für Fries ist es nicht egal, wo der Eigentümer sitzt, da es bei Standortentscheidungen immer um Arbeitsplätze gehe.