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Tierärzte: Tierschützer, nicht Geschäftemacher

Gastkommentar. Replik auf Kurt Kotrschals „Geschäft mit der Hundegesundheit“: Wie ein ganzer Berufsstand verleumdet wird.

Die Österreichische Tierärztekammer erlaubt sich, zu Kurt Kortschals Darstellung in der „Presse“-Gastkolumne „Mit Federn, Haut und Haar“ vom Dienstag unter dem Titel „Das Geschäft mit der Hundegesundheit“ wie folgt Stellung zu nehmen:

Offensichtlich ist es Prof. Dr. Kurt Kotrschal entgangen, dass Behandlungsverfahren, welche in der Humanmedizin zum Vorteil des Menschen entwickelt wurden und auch erfolgreich zur Anwendung gebracht werden, parallel, oftmals sogar gemeinsam mit Humanmedizinern (z.B. Endoprothesen für Hüftgelenksdysplasien) erforscht wurden.

 

Schutz der Tiere vor Leiden

Gerade das neue österreichische Tierschutzgesetz beinhaltet den Schutz der Tiere vor Leiden und Schmerzen und bietet somit die Basis für Therapien, welche unseren Gefährten die Lebensqualität verbessern und die Lebenszeit verlängern.

Dies als Nachteil zu bezeichnen und der Vergangenheit nachtrauern, wo ohne vorangegangene Therapieversuche bereits – ich zitiere wörtlich: „schläferte man früher einen Hund bereits aus geringfügigen Gründen ein?“ – ein Hund euthanasiert wurde, diese Haltung ist weder aus ethisch-moralischen Gründen nachzuvollziehen noch spiegelt sich diese Meinung im neuen österreichischen Tierschutzgesetz wider.

Tierärzten vorzuwerfen, sie würden nur aus reiner Gewinnsucht Tiere therapieren, ist schlichtweg eine Verleumdung eines ganzen Berufsstandes, welcher sich stets für das Wohl und den Schutz der Tiere starkgemacht hat und diese Haltung auch in seinem Berufsalltag lebt.

Wenn man schon meint, in der Öffentlichkeit ein Thema aufgreifen zu müssen, so empfehle ich nachhaltig ein vorausgehendes Studium der einschlägigen Rechtsliteratur. Damit ist sichergestellt, dass eine Blamage, wie diese Prof. Dr. Kurt Kotrschal wohl nun zuteilwird, vermieden werden kann. Nicht die Kastration von Hunden und Katzen ist per Tierschutzgesetz verboten, vielmehr handelt es sich dabei um das Kupieren von Schwänzen bei allen Tierarten. Über die Vor- und Nachteile des Kastrierens hier medizinisch zu diskutieren würde den Rahmen dieses Schreibens sprengen.

 

Kastration ist verpflichtend

Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass gerade bei freilaufenden Katzen der Gesetzgeber sowohl für männliche als auch für weibliche Tiere eine Kastrationspflicht im Tierschutzgesetz festgelegt hat.

Zum besseren Verständnis möchte ich noch ein Beispiel für Behindertenhunde veranschaulichen: Ein nicht kastrierter Blindenhund – Rüde – riecht mit seiner feinen Nase auf der anderen Seite einer Straße ein läufiges Hundeweibchen. Der Trieb ist stärker als jede Erziehung – und wie sich die Situation dann entwickelt, ist wohl für jeden vorstellbar. Oder ist die Sicherheit bzw. Gesundheit eines behinderten Menschen nichts wert?

Ich denke, dass sich jede Leserin bzw. jeder Leser dieses Artikels seine eigene Meinung dazu machen kann und auch machen wird – von Tierbesitzerinnen und Tierbesitzern einmal ganz abgesehen.

Persönlich darf ich an Prof. Dr. Kurt Kotrschal nur eine Botschaft hinterlassen:

Si tacuisses, philosophus mansisses.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zur Person

Walter Holzhacker ist Präsident der Österreichischen Tierärztekammer, der gesetzlichen Vertretung der mehr als 2100 Veterinärmediziner des Landes.

Der gebürtige Scheibbser (Jahrgang 1956) ist seit 1983 als Tierarzt mit eigener Praxis (Fachgebiet Augenheilkunde) tätig, seit 2008 steht er der Kammer als Präsident vor. [Österr. Tierärztekammer]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)