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Salzburger Festspiele: Beethoven, faszinierend klar

Symbolbild
(c) Clemens Fabry
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Akklamiertes Ersatzprogramm für Krystian Zimerman: Der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes präsentierte sich in Salzburg mit Beethoven und Chopin. Die Festspiele fanden in Andsnes einen erstklassigen Ersatz.

So schön wäre es gewesen, am 22. August, genau 150 Jahre nach der Geburt des französischen Komponisten: Pianist Krystian Zimerman sollte ein reines Debussy-Programm spielen, doch er musste krankheitshalber absagen. Die Festspiele fanden im Norweger Leif Ove Andsnes erstklassigen Ersatz. Er reiste mit seinem aktuellen Tourneeprogramm an, das er bald auch bei der Schubertiade spielen wird. Bevor er als Zugabe, in großer Klarheit und schwerer melancholischer Ruhe, doch noch Debussy spielte und in der „Hommage à Rameau“ über die vorklassische Tanzform der Sarabande meditierte, ging es im eigentlichen Programm ins Herz der Klassik: Mit Beethovens „Waldstein“-Sonate und seiner Sonate Nr. 22.

Mit jener beförderte Beethoven die Form in neue Gefilde, hier nähert sich die Klaviersonate der Symphonie an, erlebt einen gewaltigen Aufschwung in ihrer Souveränität. Und das Werk ist ganz Form. Das sah auch Andsnes in seiner Interpretation als Hauptsache. Er ist keiner, der sich hier interpretierend in den Vordergrund drängt. Bei ihm hat alles Gleichgewicht, die klare Darstellung der Struktur wird in schöner pianistischer Ausgewogenheit zum eigentlichen Anliegen. Als Mittel dazu dient ihm eine souveräne Technik, die er aber nie auftrumpfend einsetzt.

Dennoch verzichtet er nicht auf individuelle Akzente, wenn er etwa die Fermate am Ende der kurzen Adagio-Einleitung im zweiten Satz besonders akzentuiert und lange hält, bevor er wunderbar sanglich das Rondo ausbreitet. Perfekt auch sein Pedaleinsatz, der nichts vernebelt, was besonders dem zweiten Satz der Sonate Nr. 22 und seiner vorwärts perlenden Notenflut zugutekam und deren Finale kristallklar hörbar machte. Gewiss, es ist ein eher verinnerlichter Beethoven, den man vielleicht ab und zu allzu introvertiert nennen könnte, alles in allem aber eine faszinierend klarsichtige Beethoven-Begegnung.

Analog das Bild bei Chopin im zweiten Teil. Da galt die technische Brillanz ganz dem Klangbild und der musikalischen Erzählung. Einer subtilen Walzergruppe folgte die mit natürlicher Raffinesse gegebene Ballade Nr. 3; im Nocturne H-Dur verdichtete Andsnes dann die Trillerketten zu flirrenden Klangflächen und sorgte mit der Ballade Nr. 1 für den adäquaten Abschluss eines Klavierabends, an dem er sich als sensibler und stiller Virtuose bewiesen hatte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)