Die Welt hat ihre Liebe zu Nashornjägerautos entdeckt, unmäßig groß und schwer - aber es gibt zarte Gegenstimmen: Autos wie der Škoda Citigo, die verblüffend viel aus ihrer Kleinheit herausholen.
Schon wieder ein Auto, das unsere gut trainierte Gewohnheit, auf den Zentimeter genau (an guten Tagen: Millimeter) unter dem automatisch hochfahrenden Garagenrolltor hindurch zu gleiten, mit einer überraschenden Vollbremsung unterbindet. Dieses Bein hat uns zuletzt Volvo gestellt.
Was soviel bedeutet, dass auch im Škoda die radargestützte City-Notbremsfunktion einwandfrei arbeitet, dass sie im Ernstfall Schäden von Mensch und Maschine abhalten wird, jedenfalls bis zu einem Tempo von 30 km/h. Bei 110 Euro Mehrkosten wäre es wohl unklug, auf diese kleine Rückversicherung zu verzichten.
Willkommen in der Welt von Škoda, in der mit Aufpreisen gehandelt wird, über die Käufer eines klitzekleinen Audi allenfalls gequält lächeln können. Navigations- und Infotainment-System samt Bluetooth-Telefonie? 360 Euro – übrigens ebenso viel wie für Metallic-Lackierung. Tempomat, Leichtmetallfelgen? 160 respektive 375 Euro. Es gibt sogar zweistellige Posten auf der Liste! In einem Auto, das mit nur zwei Prozent NoVA veranschlagt ist, kann man sich eben besonders günstig einkleiden.
Zweite Überraschung, nach der am Garagentor: Welche Freude der kleine Škoda im Alltag bereitet. Dies ist ein erhebend kluges Auto in seiner Raumökonomie, in einem Straßenumfeld, das eher die Lust an der schieren Masse verrät. Unsere Autos sind für das, was wir mehrheitlich mit ihnen anfangen, zu groß und zu schwer. Effizienz, Dynamik: längst leere Begriffe aus dem Marketing.
Lassen wir den Škoda die Gegenposition einnehmen. Der Citigo teilt sich mit VW up! und Seat Mii die technische Basis und man möchte sagen: Škoda hat von allen dreien das beste draus gemacht. Das liegt am bestechend klaren Design, wie es längst Markenzeichen der Tschechen ist, und am umsichtig kalkulierten Gefüge aus Grundausstattung und Extras-Paketen. Wer sich nicht gerade mit dem Einstiegsangebot kasteien möchte, hat ab 10.640 Euro das Wichtigste (Klima, Easy Entry, höhenverstellbarer Fahrersitz, CD-Radio) an Bord, etwaige Extras, wie erwähnt, zahlt man quasi aus der Hosentasche. Auf das zweite Paar Türen kann verzichtet werden – wieder was gespart! –, denn so lang ist das Auto nicht, dass man nicht über die Vordersitze gut nach hinten gelänge – auch, was das Schisteln mit Kindersitzen angeht. Platz ist keineswegs Mangelware – nicht nur, dass es sich im Innern schön luftig anfühlt und viel Kopffreiheit geboten wird, auch ein Fahrrad lässt sich problemlos durch die große Heckklappe dem Innenraum überantworten, ohne dass man zum Werkzeug greifen und ein Laufrad ausbauen müsste. Daran scheitern schon manche Lifestyle-Kombis.
Das Gewicht von unter einer Tonne lässt einen sogar mit 60 PS über die Runden kommen (optional: 75 PS). Der Dreizylinder-Benziner ist sogar ein recht drehfreudiger Geselle, mit dem man gern durch die fünf Gänge turnt; an der Ampel wird er abgestellt. Unterhaltsam, wie leichtfüßig das Auto um die Ecke biegt, und wie gut das Fahrwerk federt. Beileibe kein Feindesland: Erstaunlich erwachsen fühlt sich der Citigo auf der Autobahn an, 161 km/h offizielle Höchstgeschwindigkeit deuten schon auf die geringe Stirnfläche hin. Der Nebeneffekt sind geringe Windgeräusche, ein Kriterium für die Langstrecke. 140 km/h Tacho sind letztlich ein gutes Tempo, das man auf längere Etappen durchhalten kann. 160 Euro für den Tempomat sind gut investiert.
Auf einen Blick
Škoda Citigo Ambition GreenTec
Maße L/B/H: 3540/1645/1489 mm. Radstand 2420 mm. Leergewicht 940 kg. Ladevolumen max. 959 l.
Motor R3-Zylinder-Otto, 60 PS. 999 cm. Testverbr. 5,3 l/100 km.
Preis ab 10.640 Euro
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)