Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wabag: Wo Abwasser trinkbar wird

Symbolbild
(c) Bilderbox (BilderBox.com)
  • Drucken

Nur drei Prozent der weltweiten Wasservorkommen sind trinkbar. Die Wabag versorgt in Saudiarabien eine Million Menschen mit entsalztem Wüstenwasser.

Wien. Das Geschäft der Wabag bedient eines der elementarsten Bedürfnisse der Menschheit. Jenes nach sauberem Wasser. Die Wasserreserven sind knapp bemessen: „Nur drei Prozent des weltweiten Wasserreservoirs bestehen aus Frischwasser, und nur etwa ein Drittel davon ist verfügbar“, sagt Erik Gothlin, Vorstand der Wabag-Zentrale in Wien. Derzeit leben nach internationaler Schätzung mehr als eine Milliarde Menschen weltweit ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und in 30 Ländern herrscht Wassermangel. Dabei ist es heute möglich, Trinkwasser nicht nur aus Grundwasser und Oberflächenwasser zu gewinnen, sondern auch aus Meer- und Brackwasser und sogar aus Abwasser. In Windhoek, der Hauptstadt Namibias, hat die Wabag die weltweit erste Anlage errichtet, die Abwasser wieder in qualitativ einwandfreies Trinkwasser verwandelt. „Der Aufwand der Wiederaufbereitung lohnt sich aber nur bei echter Wasserknappheit“, sagt Gothlin. Vor allem in Trockenzeiten wird das wiederaufbereitete Abwasser ins Trinkwassernetz eingespeist.

In seinem geräumigen Büro in der Wiener Dresdnerstraße bietet Gothlin einen Schluck hauseigenes Wasser zum Kaffee an. Das sei allerdings nicht aus Abwasser aufbereitet, versichert er schnell. „Da haben ja viele Menschen noch eine Barriere.“ Zu Unrecht, denn das Wasser, das aus diesem Prozess gewonnen werde, sei eigentlich besser als das Wasser, das man sonst bekommt.

Natürlich geht es bei der Wasseraufbereitung nicht immer darum, einwandfreies Trinkwasser herzustellen. Häufig wird Wasser auch in der Industrie recycelt, um den Schaden für die Umwelt gering zu halten. Vor allem die Papier- und Zellstoffindustrie, die Lebensmittel-, Textil- und chemische Industrie sowie Erdölraffinerien machen von entsprechenden Aufbereitungsverfahren Gebrauch. Ganz neu ist zum Beispiel ein Verfahren, das industrielles Abwasser klärt, das bei PET-Flaschen-Erzeugung entsteht. Ein weiteres Feld, in dem die Wabag international aktiv ist, ist die Wasserentsalzung. Rund 97,5 Prozent der weltweit verfügbaren Wasservorräte bestehen aus salzhaltigem und damit untrinkbarem Meer- oder Brackwasser.

 

Brunnen in der Wüste

In 120 Ländern gibt es mehr als 12.500 Entsalzungsanlagen, die zusammen aber nur rund ein Prozent des weltweiten Wasserkonsums abdecken. 70 Prozent des entsalzten Wassers werden im Nahen Osten und Nordafrika hergestellt, zehn Prozent in Europa. Ein schönes Beispiel für Brackwasserentsalzung seien die Projekte in Saudiarabien, in Al Wasia und Al Kharj. Brackwasser entstehe oft, wenn in einer meeresnahen Region alles Grundwasser konsumiert wurde. „Dann kommt es zu einer Salzwasserinfektion und aus Frischwasser wird Brackwasser“, erklärt Andreas Proesl, Ingenieur bei der Wabag.

In Al Wasia hat die Wabag mitten in der Wüste Brunnenfelder mit Bohrlöchern errichtet, die 600 Meter tief in die Erde reichen. Täglich werden aus den Tiefen der Wüste 200.000 Kubikmeter mit Salz kontaminiertes, heißes Wasser aus dem Untergrund gepumpt, gekühlt und mit der Technik der Umkehrosmose aufbereitet. Verwendet wird das Wasser für die Versorgung der Stadt Riad.

Bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von 200 Litern pro Mensch und Tag versorgt allein diese Anlage eine Million Menschen mit Nutz- und Trinkwasser. Die Wabag hat bisher mehr als 100 kommunale und industrielle Entsalzungsanlagen geplant und installiert, beispielsweise in Indonesien, Indien und in den Niederlanden.

Einige große Entsalzungsprojekte werden von der Konzernzentrale in Chennai/Indien koordiniert. Ein aktuelles Projekt, das Wasser direkt aus dem Meer gewinnt, ist eine Entsalzungsanlage in Nemmeli. Ein wichtiger Schritt gelang im April, als trotz Erdbeben und Tsunami-Warnung eine Pipeline von 1,60 Metern Durchmesser auf einer Länge von 1050 Metern in einer Meerestiefe von 14 Metern verlegt und angeschlossen wurde. Die riesige Pipeline bildet das Meerwasser-Einlasssystem für die dortige Entsalzungsanlage.

 

Entsalzung kostet Energie

Neben der Umkehrosmose, bei der das Salzwasser mit hohem Druck durch eine hauchdünne Membran gepresst wird, wendet die Wabag in verschiedenen Projekten auch die thermische Entsalzung und Elektrodialyse an. „Entsalzung wird zwar langsam billiger“, sagt Wabag-Chef Gothlin, „ist aber immer noch ein sehr energieintensives Verfahren.“ Die Kosten sind auch der Grund, warum Entsalzung nicht als Patentlösung für weltweite Wasserprobleme herhalten kann.

Auf einen Blick

Wasserwirtschaft. Die Wabag ist eines der weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Wasseraufbereitung. Die Kernkompetenzen des Konzerns liegen in Planung, Errichtung und Betrieb von Trinkwasser- und Abwasseranlagen für Kommunen und Industrie. Die Wabag-Gruppe ist mit den beiden international tätigen Gesellschaften in Wien und Chennai über Firmen und Büros in 20 Ländern mit rund 1500 Mitarbeitern vertreten. Die heutige VA Tech Wabag GmbH ging 1999 aus dem Zusammenschluss der Wassertechniksparten des VA Technologiekonzerns und der Deutschen Babcock hervor. Die Marke Wabag besteht aber bereits seit 1924.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)