Angola gilt als das afrikanische Boomland und wird von China, Indien und Brasilien heiß umworben. Europa driftet trotz Kolonialvergangenheit ab. Auch für Österreicher ließe sich so einiges im „Dubai von Afrika“ holen.
Angola liegt links oberhalb von Südafrika und Namibia. Das weiß man vielleicht. Dann erinnert man sich an diesen fürchterlichen Bürgerkrieg, der 30 Jahre lang tobte und seit zehn Jahren Geschichte ist. Hier endet gemeinhin das Wissen über das fremde Land südlich des Äquators. Vielleicht noch, dass es reich an Öl, Diamanten, Gold und Erzen ist.
Und genau das macht Angola zum Objekt der Begierde für so manche Expansionsmacht mit gut gefüllter Kasse. China investiert heftig in den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur. Indien ist schon drittwichtigster Exportpartner, gleich hinter China und den USA. Und Brasilien verlegt gerade ein 6000 Kilometer langes Lichtwellenkabel zwischen Fortalezza und Angolas Hauptstadt, Luanda. Zum gefälligen Vergleich: Mit Europa verbindet Brasilien nur eine einzige, völlig veraltete Unterwasserleitung. Was ein Hinweis auf die Prioritätenreihung ist.
Koloniale Bindung
Dabei sollten schon aus historischen Gründen starke Bande Angola und Europa zusammenknüpfen. Hauttöne in allen Schattierungen erinnern an die portugiesische Kolonialzeit von 1483 bis nach dem Zweiten Weltkrieg: „Es gibt sogar weiße Angolaner“, schildert Martina Mötz. Sie arbeitet als Deputy Director an der Internationalen Schule in Luanda: „Die Portugiesen haben immer gern in Angola gelebt. Bis zum Bürgerkrieg.“ Wer konnte, flüchtete heim ins Mutterland.
Nun kommen sie wieder zurück. Die Eurokrise trieb allein letztes Jahr 24.000 Portugiesen wieder in die ehemalige Kolonie. Kein Wunder: In Angola findet sich leichter Arbeit als in Südeuropa. Der Aufschwung umfasst alles, was mit Infrastruktur und Energie zu tun hat. „In den 1970er-Jahren soll Luanda wunderschön gewesen sein“, schwärmt Mötz. Nun wird es wieder aufgebaut. „Straßen, Gebäude, Bahnstrecken, Kraftwerke, Grenzschutz und der Gesundheitsbereich stellen auch für österreichische Unternehmen großartige Möglichkeiten dar“, wirbt der neue Wirtschaftsdelegierte Johannes Brunner.
Bis dato lassen österreichische Präsenzen allerdings auf sich warten: „Es gibt keine Niederlassungen. Die Baufirmen überlassen das Feld lieber den Portugiesen. Aus Sprachgründen.“ Was für die chinesische Konkurrenz kein Hindernis ist. Dafür ist Angola auch hierzulande zunehmend als Handelspartner begehrt.
Waren im Wert von 16,6 Millionen Euro wurden 2011 aus Österreich importiert (siehe Tabelle), hauptsächlich Getränke, Maschinen zur Bearbeitung von Erzen, Mineralien und Keramik; Bagger, Bleche, Eisen und Stahl. Umgekehrt wurden gerade einmal Waren im Wert von 81.000 Euro nach Österreich exportiert. „Die EU ist insgesamt ein wichtiger Handelspartner“, analysiert Brunner, „aber das geht neben den starken Bemühungen der drei BRIC-Länder unter. Die bauen die Süd-Süd-Verbindungen aus.“
Leben in der Glasmenagerie
Wirtschafts-Expats aus 54 Ländern lassen ihre Kinder in der Internationalen Schule in Luanda unterrichten. NGOs sind keine dabei. Österreicher auch nicht. „Die Österreicher-Gruppe in Luanda war nie größer als fünf, vielleicht sechs Personen“, feixt Vizeschuldirektorin Mötz. Wie lebt der typische Ausländer? Meist in einem Compound wie jenem in Ruanda Sul, einem abgegrenzten und von Securities bewachten Areal, „einem Glaskästchen eben“.
Nein, so schlimm wie in Südafrika findet sie es nicht, bei Weitem nicht so aggressiv-gefährlich. Der Compound ist komplett autonom, verfügt über einen eigenen Generator, Wassertanks und bietet Erste-Welt-Standard. In ihm befindet sich auch die Internationale Schule. Ein Riesenvorteil für Mötz: „Ich gehe mit dem Kaffeehäferl in der Hand ins Büro“ – so weicht sie dem mörderischen Verkehr in der Hauptstadt aus.
Der Verdienst ist hoch, die Lebenshaltungskosten ebenfalls. Mit 5000 bis 15.000 US-Dollar beziffert die Österreicherin eine Monatsmiete, weshalb ein Expat-Package meist Housing inkludiert. Flüge nach Angola sind deutlich teurer als jene ins nahe Südafrika, Lebensmittel ebenfalls: „Ein Bier kostet so viel wie fünf daheim.“ Dennoch legen Ausländer im „Dubai von Afrika“ meist einen Batzen Geld beiseite. Die Korruption ist hoch, wie überall am Kontinent, die Gesellschaft aufgespalten in sehr Reiche und sehr Arme. Mittelklasse gibt es keine.
Am 31. August sind Präsidentschaftswahlen. Manche Firmen haben ihre Mitarbeiter vorsorglich in die Heimat geholt, erzählt Mötz. Sie fühlt sich sicher. Man muss einfach nur aufpassen.
Kennzahlen 2011
Fläche: 1.246.700 km²
Bevölkerung: 20,1 Mio.
Hauptstadt: Luanda (4,5 Mio. Einwohner)
Wirtschaftswachstum: 3,4 Prozent
BIP pro Kopf: 7,124 US-Dollar
BIP gesamt: 138,9 Mrd. US-Dollar
Auslandsverschuldung: 18,78 Mrd. US-Dollar
Exporte weltweit: 65,9 Mrd. US-Dollar
Exporte in die EU: 6,7 Mrd. Euro
Exporte nach Österreich: 81.230 Euro
Importe aus Österreich: 16,03 Mio. Euro
(Quelle: WKO/Außenwirtschaft Austria)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)