RBI steigert Nettogewinn im Halbjahr

PK RAIFFEISEN BANK INTERNATIONAL: STEPIC
PK RAIFFEISEN BANK INTERNATIONAL: STEPICAPA/HERBERT PFARRHOFER
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Das Ergebnis mit plus 13,9 Prozent liegt leicht unter Erwartungen der Analysten. Das harte Eigenkapital konnte auf 10,1 Prozent gesteigert werden.

Die börsenotierte Raiffeisen Bank International (RBI) hat im ersten Halbjahr 2012 zwar den Nettogewinn - vor allem durch Sondereffekte im ersten Quartal - um knapp 14 Prozent auf 701 Millionen Euro gesteigert, von April bis Juni erlitt die Bank aber einen deutlichen Gewinnrückgang um 70,5 Prozent auf 160 Millionen Euro zum Vorquartal. Außerdem erwarb die RBI Anfang Mai auch die restlichen 30 Prozent an der Polbank - letztendlich wurde ein Kaufpreis von insgesamt 806 Millionen Euro für die polnische Bank inklusive Kapitalerhöhung gezahlt.

Neben dem Kaufpreis für die 100 Prozent an der Polbank, der nach zwei Rabatten in Höhe von je 30 Millionen Euro letztlich 605 Millionen Euro betrug, wurde den Griechen auch 201 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung abgegolten. Die geplante Fusion zwischen der Polbank und RBI Polen ist für das vierte Quartal angedacht, ab 2013 soll die RBI-Tochter unter dem Namen Raiffeisen Polbank firmieren. Wie viele Mitarbeiter infolge der geplanten Fusion zwischen der Polbank und der RBI Polen abgebaut werden sollen, wollte RBI-Chef Stepic bei der Pressekonferenz am Mittwoch nicht beziffern.

Synergieeeffekte in Millionenhöhe

Laut RBI ist aber die Schließung von 40 Geschäftsstellen in Polen bereits beschlossen. Die Synergieeffekte der Fusion ab 2013 beziffert die Bank zwischen 40 und 50 Millionen Euro jährlich. Auch auf Konzernebene steht RBI ein Sparprogramm bevor. Ziel sei es, die Kostensteigerung "flach zu halten", betonte der RBI-Chef weiter. Dies sei aufgrund einer geschätzten durchschnittlichen Inflation in Höhe von 4,5 Prozent in den Länder, in denen die RBI präsent ist, durchaus eine Herausforderung. Im ersten Halbjahr 2012 stiegen die Verwaltungsaufwendungen geringfügig um 0,2 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

In der Bankindustrie sei es in den letzten Jahren zu den "stärksten Veränderung" gekommen, die ich in meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit erlebt habe", sagte Stepic heute. Dazu zählte er neben den regulatorischen Druck, auch die Bankenabgaben in einigen Ländern, die die RBI heuer mit rund 200 Millionen Euro belasten werde. Im ersten Halbjahr hatte die RBI darüber hinaus mit einigen Rückgängen zu kämpfen: So sanken etwa die Betriebserträge um 4,9 Prozent auf 2,613 Milliarden Euro. Auch der Zinsüberschuss ging um 3,6 Prozent auf 1,716 Milliarden Euro zurück.

"Kapitalerhöhung eine Option"

Das erste Halbjahr sei für die RBI aber im Fokus der von der Europäischen Bankenaufsicht vorgeschriebene Kernkapitalquote gestanden, die die RBI aus eigenen Mitteln erreicht habe, betonte Stepic. Das harte Kernkapital (Core Tier 1) betrug per Ende Juni 10,1 Prozent. Eine Kapitalerhöhung sei nach wie vor eine Option für die Bank, dazu müssten aber die Marktbedingungen passen, betonte Stepic.

Dass die Krise noch nicht vorbei ist, kann man auch daran ablesen, dass die RBI für das zweite Halbjahr 2012 einen weiteren leichten Anstieg der sogenannten notleidenden Kredite (Non Performing Loans, NPL) erwartet, die seit Jahresanfang bis Ende Juni um 1,1 Prozentpunkte auf 9,8 Prozent zugelegt haben. In diesem Zeitraum stieg der NPL-Bestand in absoluten Zahlen um 1,234 Milliarden Euro, wovon 478 Millionen Euro auf die Polbank entfielen. Den Anstieg führte Stepic unter anderem auf Probleme bei Großunternehmen zurück, einige würden wegen der fortgesetzten Krise "nicht mehr mitkommen".

Mehr faule Kredite

Auch Ungarn habe zu der Verschlechterung der NPL-Ratio beigetragen. Dort würden die faulen Kredite auch bei Privatkunden steigen. In Ungarn schrieb die RBI im ersten Halbjahr einen Verlust von 82 Millionen Euro, im Vorjahr waren es im ersten Halbjahr noch 42 Millionen Euro. Stepic zufolge will sich die RBI in dem exportorientierten Land verstärkt auf die Großindustrie konzentrieren. Bei der Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten will der RBI-Chef die "rechtliche Position der RBI absichern, ohne aber rechtliche Schritte vorzunehmen." Eine Klage ohne Unterstützung der EU und sonstigem Rückhalt sehe er derzeit als schwierig an. Man sei in einer "Wait-and-See"-Lage.

Von der teilweise hausgemachten Krise in Slowenien sieht sich die RBI kaum betroffen, der Slowenien-Anteil an der gesamten RBI-Bilanzsumme liege unter 1 Prozent. Das Land sei "in einer schweren Krise, weil es nie zu eine Entnationalisierung gekommen" sei und das bei einer fehlenden Konjunktur. Für Osteuropa erwartet Stepic zwar insgesamt ein gedämpfteres Kreditwachstum als bisher, das aber nachhaltiger ausfallen werde, weil es zu einem größeren Teil aus dem eigenen Land erfolgen werde.

Stepic rechnet damit, dass die Krise noch bis ins Jahr 2015 andauert, sagte er im "Ö1-Mittagsjournal". So viel Zeit sei für die Strukturänderungen in den Randländern Europas und für deren Akzeptanz durch die Märkte notwendig. Aber der RBI-Chef ist positiv gestimmt, "weil sich die Lösungen abzeichnen".

(APA)

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