Raiffeisen: Gewinn durch Sondereffekt

Banken. Im ersten Halbjahr 2012 hat Raiffeisen mehr verdient, was auf Einmaleffekte im ersten Quartal zurückzuführen ist. Im zweiten Quartal ging der Gewinn um 71Prozent zurück.

Wien/Höll. Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat im ersten Halbjahr 2012 die anderen österreichischen Großbanken (Bank Austria und Erste Group) abgehängt. Von Jänner bis Juni kletterte der Periodenüberschuss um 13,9 Prozent auf 701 Mio. Euro. Doch das ist unter anderem auf Sondereffekte von 272 Mio. Euro im ersten Quartal zurückzuführen.

Wie andere österreichische Institute kaufte Raiffeisen damals bestimmte Anleihen unter ihrem Nennwert zurück. Zudem wurden Wertpapiere veräußert. Von April bis Juni ist es für Raiffeisen nicht ganz so gut gelaufen. Im Vergleich zum Vorquartal ging der Nettogewinn um 71Prozent auf 160 Mio. Euro zurück. Damit verfehlte Raiffeisen die durchschnittliche Prognose von zehn Analysten in einer Umfrage der Finanzagentur Bloomberg leicht. Diese waren von einem Gewinn von 165 Mio. Euro ausgegangen. Die Entwicklung im zweiten Quartal ist auch der Grund dafür, warum die RBI-Aktie am Mittwoch gefallen ist. Am Nachmittag lag sie teilweise fünf Prozent im Minus.

Trotzdem zeigt sich RBI-Chef Herbert Stepic mit dem Ergebnis „angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes in der Eurozone“ zufrieden. Zugenommen haben im Halbjahr die faulen Kredite. Bei 9,8Prozent aller vergebenen Darlehen gibt es Rückzahlungsprobleme. In der Ukraine sind es 37,2Prozent und in Ungarn 28,4Prozent. Durch „einige Einzelfälle in der Konzernzentrale, in China und Polen“ lagen die Einzelwertberichtigungen mit 496 Mio. Euro um 15 Prozent über jenen des Vorjahres.

Integration der Polbank

In Polen ist Stepic damit beschäftigt, die erworbene Polbank mit der dortigen Raiffeisen-Tochter zu fusionieren. Für die Polbank, die der griechischen EFG Eurobank gehörte, zahlte Raiffeisen in Summe 806 Mio. Euro. Wie viele Mitarbeiter im Zuge des Zusammenschlusses gehen müssen, wollte Stepic nicht sagen. Durch die Polbank hat sich in Polen die Zahl der Beschäftigten auf 6218 fast verdoppelt. Fest steht bereits, dass wegen Überschneidungen 40 Filialen geschlossen werden.

In Ungarn dürften ebenfalls weitere Jobs gestrichen werden. Auch hier wollte sich Stepic auf keine Zahl festlegen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden in Ungarn zehn Prozent der Mitarbeiter abgebaut. Die Budapester Tochter ist das Sorgenkind von Raiffeisen. Im ersten Halbjahr 2012 gab es einen Verlust von 77 Mio. Euro. Schon im Vorjahr war die Tochter mit 355 Mio. Euro tief in die Verlustzone gerutscht.

Seit Monaten drohen Österreichs Banken, die Budapester Regierung zu verklagen. Denn die Institute wurden gezwungen, Fremdwährungskredite zu einem günstigeren Kurs umzutauschen. Doch die Chancen, dass tatsächlich juristische Schritte ergriffen werden, schätzt Stepic als gering ein. Denn ein Prozess würde Jahre dauern. Und auch die Unterstützung der EU lasse zu wünschen übrig.

Beim Ausblick für das Gesamtjahr 2012 bleibt Stepic vage. Weil sich die Länder im Osten im Vergleich zur Eurozone besser entwickeln, sei er positiv gestimmt. Die Bankenabgaben in Österreich und in mehreren osteuropäischen Ländern werden jedoch voraussichtlich zu einer Ergebnisbelastung von 190 Mio. Euro führen.

Auch eine Kapitalerhöhung ist für Stepic eine Option. Doch angesichts des niedrigen Aktienkurses gehen Analysten nicht davon aus, dass sich Raiffeisen bald Geld von der Börse holen wird. Laut Bloomberg-Daten empfehlen neun Analysten, die RBI-Aktie zu kaufen, zehn sind für halten und sechs Experten für verkaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2012)

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