Zwist zwischen Verbund-Vorstand und Aufsichtsrat wegen "Stromlösung".
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m Freitag platzte die Bombe: Der Vorstand der Verbund gesellschaft verkündete, die "Österreichische Stromlösung" (ÖSL) sei tot. Er sehe sich außerstande, eine Vertriebs-Ehe mit den Energieversorgern aus dem Osten des Landes einzugehen. Jetzt ist es auch im Konzern zu einer Detonation gekommen: Zwischen Vorstand und Aufsichtsratspräsidium gibt es Differenzen über die Veröffentlichung dieser Meldung.
Die Angelegenheit ist äußerst heikel. Schließlich weilt Verbund-Eigentümervertreter Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im Ausland. Das Aufsichtsratspräsidium (Erhard Schaschl sowie Gilbert Frizberg und Maximilian Eiselsberg) war daher der Meinung, eine Veröffentlichung des ÖSL-Ausstiegs sei "nicht die feine englische Art". Zumal Bartenstein - ein Befürworter der ÖSL - freitags telefonisch nicht erreichbar war.
Der Verbund-Vorstand sah jedoch Gefahr im Verzug: Am Freitag hatte er beschlossen, aus der ÖSL auszusteigen, nachdem ein Gutachten des Beraterunternehmen Booz Allen Hamilton kaum Synergieeffekte konstatiert hatte. Dies sei, so der Vorstand, eine kursrelevante Meldung, die unverzüglich publik gemacht werden müsse. Was angesichts der Reaktion der Verbund-Aktie am Freitag nicht ganz von der Hand zu weisen ist: Nach Bekanntgabe des ÖSL-Ausstiegs stieg der Kurs um 4,5 Prozent. Gestern distanzierte sich das Aufsichtsratspräsidium von der Vorgangsweise des Vorstands. Das Gremium werde sich am 10. Mai mit der Angelegenheit befassen. Betont wurde aber, dass dies "an der Sache" nichts ändere: Die Strom-Ehe ist geplatzt.