Daniela Fally: Die natürliche Opernsängerin

natuerliche Opernsaengerin
natuerliche Opernsaengerin(c) Dapd (Lilli Strauss)
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Die Staatsoper bildet die Ausnahme, sonst schätzt Opernsängerin Daniela Fally in Wien einfache und natürliche Orte, etwa ein griechisches Lokal oder die Neue Donau. Ein Cityguide.

Daniela Fally fühlt sich hier wohl. So wohl, dass sie fast zu übersehen ist. Das liegt nicht nur daran, dass die Wiener Staatsoper alles andere als klein ist. Nein, Daniela Fally bewegt sich in dem prunkvollen Haus so selbstverständlich, als wäre sie hier zu Hause. Das ist sie auch ein bisschen, immerhin steht sie hier seit 2006 immer wieder auf der Bühne. Am Mittwoch ist es wieder so weit. Dann singt sie ein weiteres Mal die Fiakermilli in „Arabella“. Zuvor kommt sie aber noch für Proben vorbei, plaudert mit ein paar Damen am Gang, grüßt jeden und wünscht einen guten Start in die neue Saison.

Auch der geduldige Autogrammjäger, der vor dem Portiereingang wartet, erhält eine Signatur auf seine drei mitgebrachten Fotos. „Die Oper hat für mich schon immer eine große Magie. Es war immer mein stiller Traum, hier zu arbeiten. Es ist eines der vier besten Häuser der Welt, und es ist das Haus in meinen Land“, sagt die gebürtige Niederösterreicherin, die zuletzt aber bei den Seefestspielen Mörbisch als „Adele“ in der „Fledermaus“ gesungen hat. Für den nicht gerade zurückhaltenden Intendanten Harald Serafin hat sie nur lobende Worte: „Der hat eine Energie, das ist unglaublich. Da kann man nur hoffen, dass man die auch einmal in dem Alter hat“, sagt sie auf dem Weg zu ihrem Stammlokal, dem griechischen Restaurant Irodion im dritten Wiener Bezirk.


Mädlsabend im kitschigen Ambiente. Dort hat sie einmal gewohnt. „Ich mache Beethoven schon fast Konkurrenz beim Wohnungswechsel“, sagt Fally, die derzeit aber die Wiener Leopoldstadt ihren Heimatbezirk nennt. Im Irodion schätzt sie nicht nur die griechische Küche, sondern auch das Ambiente und die kitschige Einrichtung. „Ich liebe das Inventar, ich finde es gemütlich und komme gern her, um hier Mädlsrunden abzuhalten“, sagt sie und nippt an dem Gläschen Ouzo, das ihr der Wirt freundlich grüßend – auch er kennt sie – gebracht hat.

Fally ist nur notgedrungen ein Stadtkind. „Das geht bei meinem Beruf nicht anders, aber ich suche mir hier die grünen Plätze. Ich habe einmal im siebten Bezirk gewohnt, schrecklich, da gibt es so wenig Bäume.“ Die besucht sie wiederum gern am Himmel in Döbling. Der dort angebrachte Lebensbaumkreis hat es ihr besonders angetan. „Nach meinem Geburtsdatum bin ich dort eine Zypresse. Das passt gut, das ist ein starker Baum, der auch in karger Umgebung gut überleben kann“, sagt Fally, die beim gestrigen Salzburger Festspielball die Eröffnung gesungen hat – in wohl weniger karger Umgebung.


Wiederkehren statt neu entdecken.
Ein weiterer Kraftort, den sie gern aufsucht, ist die Neue Donau. „Da springe ich gern nach dem Joggen ins Wasser.“ Sonst verlässt sich Fally bei der Entdeckung neuer Orte in der Stadt auch auf ihre Freunde. Sie sind ihr wichtig und von ihnen lässt sie sich gern mit so manch neuer Entdeckung überraschen. „Ich kann das nicht so, ich bin eher ein Wiederkehrer als ein Neuentdecker.“ Zumindest, was die Stadt anbelangt.

Beruflich ist für sie weniger das Stück als die Figur ausschlaggebend, um Feuer und Flamme zu sein. „Ich bin da schauspielerisch denkend. Es gibt tolle Opern, bei denen die Figur nicht so spannend ist. Ich habe aber Lust auf die Figur, sie macht es für mich aus.“

So würde Fally zum Beispiel „wahnsinnig gern in ,My Fair Lady‘ singen“. Oder aber auch die Konstanze in der „Entführung aus dem Serail“ oder die Gilda in „Rigoletto“. „Da könnte ich schön sterben, das habe ich noch nicht gemacht. Bisher war ich eher im komischen Fach.“

„Arabella“ (Fiakermilli), Wiener Staatsoper, 5., 8., 11., 16. September.

„Ariadne auf Naxos“ (Zerbinetta), Staatsoper, 19., 22., 26., 29.12., 2.1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)

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