Tourismus. Noch wehren sich Reiseveranstalter gegen höhere Preise.
WIEN. Macht der steigende Ölpreis den Österreichern noch einen Strich durch die Urlaubs-Rechnung? Die AUA verhandelt gerade mit den Reiseveranstaltern über eine Erhöhung des Kerosin-Zuschlags bei Charterflügen. "Die Lauda Air führt Gespräche mit den Reiseveranstaltern", bestätigte AUA-Sprecher Johannes Davoras auf Anfrage der "Presse". Somit könnte Tausenden Österreichern vor Antritt ihrer Urlaubsreise noch eine kleine Zusatz-Rechnung ins Haus flattern.
Helmut Lipa, Geschäftsführer der TUI-Tochter Gulet Touristik, bestätigt harte Verhandlungen mit der AUA. Er betont jedoch: "Wir werden versuchen, die bereits gebuchten Flugreisen heraus zu verhandeln." Die TUI-Gruppe ist der größte Reiseveranstalter in Österreich. Sie hält bei einem Marktanteil von 45 Prozent und wickelt den Sommerurlaub für etwa 550.000 Österreicher ab.
Fix ist seit Freitag, dass sich der extrem hohe Kerosinpreis (siehe Chart) auf die Tarife für Linienflüge niederschlagen wird. Ab 8. Juli wird die AUA ihre Treibstoff-Zuschläge erhöhen. Bei der Kurz- und Mittelstrecke steigt der Aufpreis von sieben auf neun Euro, auf der Langstrecke von 27 auf 37 Euro. Die Preiserhöhung gilt nicht für jene, die ihr Ticket vor dem 8. Juli erwerben.
Was die Charterflüge betrifft, hofft Norbert Draskovits, Vize-Präsident des Österreichischen Reisebüroverbands, dass der Kelch einer Preiserhöhung an seiner Branche und damit an den Konsumenten vorübergehen wird. "Das wäre ein irrer administrativer Aufwand für die Reisebüros", betont Draskovits. Schließlich müssten sämtliche Kunden vor Antritt ihrer Reise benachrichtigt und zur Zahlung aufgefordert werden.
Und vor allem: "Der Sommerurlaub ist noch nicht gebucht", betont Draskovits. Noch nie haben so viele Kunden so spät gebucht. In den ersten drei Juniwochen wurden Österreichs Reisebüros regelrecht gestürmt. Auch im Juli erwartet der Experte eine starke Nachfrage nach Restplätzen. Möglicherweise werden die Last-Minute-Angebote dann doch nicht ganz so billig sein. Falls der Kerosinzuschlag für Ferienflüge bereits im Juli in Kraft tritt. . .
Und die Preiserhöhung würde viele Österreicher treffen. Jeder zweite Charterflug wird hierzulande von der Lauda Air durchgeführt. Die Lauda Air wickelt sämtliche Ferienflüge der AUA-Gruppe ab. Bei der Fluglinie verweist man auf den enorm gestiegenen Kerosinpreis. Lag der Preis im Vorjahres-Schnitt noch bei 240 Dollar, so kostete die Tonne Kerosin am Freitag 563 Dollar.
"Der Höchstwert lag bei 607 Dollar", betont man bei der AUA. "Unser Jahresbedarf liegt bei 860.000 Tonnen Kerosin", sagt Konzern-Sprecher Davoras und fügt hinzu: "Die nun durchgeführte Preiserhöhung deckt nicht einmal 50 Prozent der angefallenen Mehrkosten." Auch in der Flug-Pauschalreise steckt derzeit schon ein Kerosinzuschlag. Er liegt laut AUA bei 6,50 bis 7,50 Euro pro Flugstrecke.