Am Montag eröffnete in einem Sonnenstudio in der Burggasse im siebenten Bezirk der 25. Postpartner – dabei ist das Geschäft mit Briefen und Paketen alles andere als ein Selbstläufer, wie auch die Post einräumt.
Wien. 25 Postpartner gibt es mittlerweile in Wien. Nach Apotheken, Office-Shops, Tabaktrafiken, einem Friseursalon und sogar einer Werbeagentur ist es diesmal ein Sonnenstudio in der Burggasse im siebenten Bezirk, in dem Kunden seit Montag Briefe und Pakete aufgeben sowie kleinere Bankgeschäfte wie Überweisungen und Einzahlungen tätigen können.
Allerdings handelt es sich bei „McSun“ um keinen direkten Ersatz für die Filiale in der Mondscheingasse, die mit der Bawag-PSK-Filiale in der Mariahilfer Straße 22 zusammengelegt wurde, sondern um einen zusätzlichen Postpartner. Geschäftsführerin Simone Wilhelm erhofft sich dadurch eine Steigerung der Kundenfrequenz ihres Sonnenstudios und somit mehr Umsatz.
Ein riskantes Unterfangen, denn bei Weitem nicht jeder Postpartner kann auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Aktuellstes Beispiel: Der Friseursalon „Art on Hair“ in der Neuwaldegger Straße in Wien Hernals, der Anfang April die von der Schließung betroffene Postfiliale am selben Standort übernahm. Nach fünf Monaten Betrieb ist bei Eigentümerin Eva Becker die anfängliche Euphorie verflogen. „Es kommen zu wenige Kunden, bis jetzt ist es ein Verlustgeschäft“, klagt die Friseurmeisterin. Dabei hatte sie einst große Pläne – Salon und Filiale sollten im Juni zu einem „Day-Spa-Zentrum“ umgebaut werden. Aber daraus wurde nichts, die strengen Bauvorschriften kamen ihr dazwischen. Übrig geblieben ist eine Filiale an einem Standort, an dem sie schon vorher nicht rentabel war. Ans Aufgeben denkt Becker dennoch nicht und will noch im Oktober einen Geschenkshop in der Filiale eröffnen, um Schwung in das schleppende Geschäft zu bringen.
Nicht ganz so dramatisch fällt die Bilanz in Mariana Passls Apotheke nahe der Therme Oberlaa im zehnten Bezirk aus, dem ersten Postpartner Wiens. Von einem Erfolgsmodell kann aber auch hier keine Rede sein. „Als wir damit begonnen haben, wollten wir mit einer schwarzen Null aussteigen, und bis heute ist uns das gerade so gelungen“, resümiert Passl. „Das Postgeschäft ist mittlerweile zu einem fixen Bestandteil der Apotheke geworden, der uns viel Energie abverlangt.“ Und stören die neuen Aufgaben nicht manchmal den täglichen Betrieb? Nein, meint Passl: „Das ist wie bei einem jungen Paar, das ein Kind bekommt. Zuerst sind alle aus dem Häuschen, aber bald stellt sich Routine ein.“
Routine will Susanne Dolak in ihre Tabaktrafik im 21. Bezirk niemals einkehren lassen. Ihre 45 m2 große Trafik ist seit Dezember 2011 ein Postpartner und kann auf neun sehr erfolgreiche Monate zurückblicken. „Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir der Postpartner Wiens sind“, jubelt Dolak. „Was im Postgeschäft zählt, ist Vertrauen und Kundenservice. Uns gibt es seit zwölf Jahren, wir sind ein Familienbetrieb und jeden Tag mit Herzblut bei der Sache. Die Kunden spüren das und kommen deshalb immer wieder.“
Rund zehn Prozent des gesamten Umsatzes mache sie mittlerweile mit dem Postbetrieb, Tendenz steigend. Dolak: „Was in einer Trafik im Vergleich zu einer Apotheke oder einem Friseursalon natürlich auch ein großer Vorteil ist: Die Kunden können in aller Ruhe in Magazinen schmökern, während sie an der Kassa warten.“
„Geschäftsaufkommen absehbar“
Auch Postsprecher Stephan Fuchs räumt ein, dass Postpartner je nach Standort und Branche eine unterschiedliche Ausgangslage haben. „Die Verträge sind für alle dieselben. Was wir tun können ist, eine ziemlich genaue Prognose über das Postaufkommen in einer Filiale bzw. Gegend abzugeben, ansonsten liegt die Verantwortung bei den Postpartnern“, so Fuchs. „Die Umwegrentabilität ist bei einer Tabaktrafik natürlich höher als etwa in einem Friseursalon. Wenn man einen Brief aufgeben will, legt man das eher mit einem Besuch in der Trafik zusammen als mit einem Gang zum Friseur.“
Das Risiko sei allen Postpartnern bewusst gewesen, das Postgeschäft könne man schließlich nicht neu erfinden. Fuchs: „Wenn die Filialen rentabel gewesen wären, hätten wir sie nicht geschlossen bzw. schließen dürfen.“ Wer also eine Filiale an demselben Standort übernimmt, kenne das dortige Geschäftsaufkommen und die damit verbundene finanzielle Situation.
Noch bis vor eineinhalb Jahren hatte Wien im Übrigen nichts mit Postamtsschließungen aus Kostengründen zu tun – bisher war nur die Landbevölkerung davon betroffen. 1294 Postpartner wurden in den letzten Jahren in ganz Österreich eingerichtet, im Schnitt bekommen sie dafür 15.000 bis 18.000 Euro pro Jahr. Seit dem Frühjahr 2011 stehen auch in Wien Schließungen an. Rund 50 Filialen sollen bis Ende 2012 durch Bawag-PSK-Filialen oder Postpartner ersetzt werden.
Derzeit gibt es in Wien 110 Postfilialen und 25 Postpartner. Bis Ende 2012 soll es, inklusive der Bawag-PSK-Filialen, zwischen 100 und 110 Poststandorte und 25 bis 30 Postpartner geben.
Postpartner: Derzeit gibt es in Wien 110 Postfilialen und 25 Postpartner. Bis Ende 2012 soll es, inklusive der Bawag-PSK-Filialen, zwischen 100 und 110 Poststandorte und zusätzlich 25 bis 30 Postpartner geben. Das Briefgeschäft schrumpft jährlich um drei bis fünf Prozent, während das Paketgeschäft um zehn Prozent wächst. Aber: Einer Milliarde Briefen stehen 60 Millionen Pakete gegenüber.
Postkästen: Die Zahl der Briefkästen geht leicht zurück. In Wien gibt es derzeit 1185 Briefkästen, 2010 waren es 1197, im Jahr zuvor 1211.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)