Kunden von Post und Partnern bereinigen gerade Auswüchse der Staatswirtschaft.
Sie zählt zu den besten, aber – im Einzelfall – auch zu den grausamsten Eigenschaften des freien Marktes: die nüchterne Effizienz, die überall Einzug hält, wo sich mündige Kunden aussuchen können, wo und mit wem sie ihre Geschäfte machen.
Eine Effizienz, die das Postwesen – über Jahrhunderte ein staatliches Monopol – gerade auf die harte Tour kennenlernt: Etliche der 1294 „Partner“, die die Post in den vergangenen zehn Jahren angeworben hat, stellen fest, dass statt des erwarteten Zubrots zu ihrem normalen Geschäft gerade einmal ein paar Krümel abfallen. Wenn es gut geht. Für andere Standorte findet sich mangels Kundschaft erst gar kein Partner.
So unangenehm und kundenfern das auf den ersten Blick sein mag – es ist doch nur eine Anpassung an die Realität: Dass in einer Millionenstadt mit ausgezeichneten öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Distanzen schnell zu bewältigen sind, nicht jedes Grätzel eine eigene Poststelle braucht, lag auf der Hand – und der Markt bereinigt jetzt jene Standorte, die in der aufgeblähten Staatswirtschaft der vergangenen Jahrzehnte überflüssigerweise weiterbetrieben worden sind.
Wetten, dass die Post, wenn diese „Partner“ ihre Verträge kündigen, deren Standorte sanft entschlafen lassen wird? Gut so! Denn wer der Meinung ist, dass er unbedingt einen Paketschalter in der Nachbarschaft braucht, hat jetzt, als Kunde, Gelegenheit, das zu zeigen – indem er dort zum Beispiel ab und zu einen Brief aufgibt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)