Gesundheitsstadträtin Wehsely will Patienten mit mehr Komfort anlocken. Zu Anreizen für die Ärzte, damit sie nicht in Privatkliniken ausweichen, äußerte sie sich nicht.
Wien. Der Anteil von Patienten mit privater Zusatzversicherung liegt in Wiens Gemeindespitälern nur zwischen vier und zehn Prozent. Dennoch sind es jährlich rund 30 Millionen Euro, die diese in die Kassen des zur Stadt gehörenden Krankenanstaltenverbundes (KAV) spülen.
Um mehr Privatpatienten anzulocken, will Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) die „Hotelkomponenten“ der Wiener Gemeindespitäler erweitern. Unter anderem sollen Ein- und Zweibettzimmer nach und nach Vier- und Sechsbettzimmer ersetzen. Zudem sehe das Spitalskonzept 2030 vor, Betten besser auszustatten (beispielsweise mit Telefonen), um mehr Komfort zu bieten. Nicht zuletzt werde ständig an Organisation und Bürokratie gearbeitet, damit sich die Wartezeiten für Operationen verkürzen.
Für den KAV sind diese Maßnahmen aber nicht genug. Durch eine Änderung des Verteilungsschlüssels bei den Honoraren sollen auch für die Ärzte Anreize geschaffen werden, damit sie für Operationen nicht in Privatkliniken ausweichen, sondern mehr Sonderklassepatienten in Gemeindespitäler bringen.
Derzeit sehen die gesetzlichen Bestimmungen so aus, dass ein operierender Arzt (höchstens) 60 Prozent des Honorars behalten darf, die restlichen 40 Prozent werden unter dem sogenannten „nachgeordneten Personal“ (Oberärzte, Pfleger etc.) aufgeteilt.
Änderung der Honorarverteilung
„Wir streben ein Modell an, in dem der Arzt, der Privatpatienten in die Klinik holt und die Operation durchführt, 80 Prozent des Honorars behält und die verbliebenen 20 Prozent der restlichen Belegschaft zukommen“, sagt KAV-Sprecherin Andrea Danmayr. „Dazu bedarf es aber einer Gesetzesänderung auf Bundesebene, auch die Ärztekammer müsste zustimmen.“ Bei Letzterer werden mit dieser Forderung offene Türen eingerannt. „Darüber können wir sehr gern sprechen, da es hier sicherlich einiges an Spielraum gibt“, sagt Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer. Auch den zweiten Vorschlag des KAV, den Infrastrukturbeitrag, den operierende Ärzte an die Klinik abgeben müssen, zu senken, hält Szekeres für „begrüßenswert“. Beim Infrastrukturbeitrag gehen zwölf Prozent des Honorars an das Spital, in den Privatkliniken hingegen sind es rund acht Prozent.
Nicht zu den beiden Vorschlägen äußern wollte man sich am Mittwoch im Büro der Stadträtin. „Zum Verteilungsschlüssel und dem Infrastrukturbeitrag sagen wir nichts“, so Sprecher Johann Baumgartner. Ebenfalls wortkarg gab sich Sabine Oberhauser, Gesundheitssprecherin der SPÖ. Sie habe keine Meinung zu diesem Thema, ließ sie auf Anfrage ausrichten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)