Das Gesetz zur Neuregelung der Prostitution scheitert an der Realität.
Ein Verbot der Straßenprostitution ist sinnlos. Sie würde sich nur in die Illegalität verlagern, ohne Kontrolle durch Polizei und Sozialarbeiter, ohne Schutz für die betroffenen Frauen – mit massiven Auswirkungen auf die Anrainer der illegalen Prostitutionszonen. Deshalb ist es positiv, dass die Stadt Wien mit einem neuen Gesetz versucht hat, die Straßenprostitution in geregelte Bahnen zu lenken.
Die Idee, eigene Zonen außerhalb der Wohngebiete zu schaffen, war gut gemeint. Das ist bekanntlich oft das Gegenteil von gut. Jeder sprach sich für die Schaffung eigener Prostitutionszonen aus, keiner wollte sie aber im Bezirk haben. Die Folgen sind dramatisch: Im Stuwerviertel beim Prater eskaliert die Situation. Eine Überraschung? Nur für die Erfinder des Gesetzes. Denn neben dem Stuwerviertel gibt es nur einen einzigen Standplatz für Prostituierte. Und zwar am Auhof, der für die Betroffenen völlig unattraktiv ist. Die einzige Lösung: Die Prostitution muss auf mehrere Standplätze verteilt werden. Diese Lösung scheitert aber an den Bezirken. Nicht einmal der grün regierte Bezirk Neubau will eine derartige Zone. Obwohl hauptsächlich der grüne Regierungspartner bei dem neuen Gesetz federführend war.
Mehr Polizei bringt hier nichts. Die Stadt braucht eine politische Lösung – wenn nötig, auch gegen den Willen der Bezirkskaiser. Denn sie lassen das Gesetz am Florianiprinzip und Egoismus scheitern.
martin.stuhlpfarrer@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)