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Palfrader: "Das Lustigste, das ich erlebt habe"

Palfrader Lustigste erlebt habe
(c) ORF (Ingo Pertramer)
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Über Discos, Marienerscheinungen und das Waldviertel: Ein "Braunschlag"-Abend mit Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek und Nina Proll.

Er würde dort nicht einmal tot über den Zaun hängen wollen, sagte jemand am Tisch, der bei den Dreharbeiten dabei war (es war John Lueftner, neben David Schalko Produzent von „Braunschlag“). Solche gibt es auch. Aber die, die am Waldviertel zumindest irgendetwas Gutes finden können, waren an diesem Abend in der Überzahl. Wahrscheinlich, weil David Schalko & Co. ihre Schauspieler nach Waldviertel-Bezug ausgewählt hatten. Oder zumindest, weil sie die fiktive Serie „Braunschlag“ gut finden, die genau dort spielt. Genau wie die neue ORF-Fernsehdirektorin Kathi Zechner, die das Werk ihres Vorgängers nicht aus dem Programm gekippt hat, sondern als „Geschenk“ übernahm.

Eigentlich hätte sich der ORF ja fast ein verstaubteres Beisl als das Wiener Huth aussuchen müssen, um über „Braunschlag“ zu plaudern. Denn die achtteilige Serie über „Gier, Korruption, Katholizismus und Alkohol“ (Autor und Regisseur David Schalko) führt ins tiefste Waldviertel, wo sich seit ein paar Jahrzehnten optisch nur wenig verändert hat. Das kann zum Beispiel Darstellerin Nina Proll bestätigen. Sie ist dort aufgewachsen, und ging „mit zwölf, 13“, wenn sie durfte, in jene Disco, die Nicholas Ofczarek in „Braunschlag“ führt. Und wegen der Robert Palfrader, der diesmal den bauernschlauen Ortskaiser gibt, derzeit regelmäßig Anrufe bekommt. Mit der Frage, „ob man die mieten kann“. In dieser Disco spielt auch die erste Schlüsselszene, in der Raimund Wallisch entrückt von der (in Wahrheit inszenierten) Marienerscheinung erzählt, die den Ort retten soll.

„Beim Proben“, erzählt Palfrader, „hat er den Text immer runtergenudelt. Erst beim Dreh hat er aufgedreht, ich hab noch gemerkt, wie der Niki langsam hinter meinem Schädl verschwindet, damit die Kamera ihn nicht sieht. Und dann wars aus. Ich weiß nicht, wie viele Takes wir abgebrochen haben, weil wir so gelacht haben. Die Erscheinungsgeschichte war definitiv das Lustigste, das ich jemals auf einem Set erlebt habe.“

Und ein gutes Zeichen für die Serie, von deren „außergewöhnlicher Chemie“ alle Beteiligten erzählen. Wallisch wurde dann übrigens durch ein Stativ mit Tennisball ersetzt, damit Palfrader und Ofczarek ihren Text sprechen konnten. Es könnte also lustig werden, wenn der ORF am 18. September mit der Serie startet. Zumindest 15.000 Leute wissen freilich schon, worum es geht: So viele DVDs wurden im Vorfeld bereits verkauft, gemäß der eher ungewöhnlichen, aber erfolgreichen Marketingstrategie des ORF, die DVD noch vor der Erstausstrahlung auf den Markt zu bringen.


Die Miniserie mit durchgehender Geschichte (wie es etwa „Sopranos“-Fan Nicholas Ofczarek liebt) sei „ein Ausweis für das, was wir uns vorstellen“, meint ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, auch wenn sie der Rektor von Stift Heiligenkreuz eine „schändliche Klamaukkomödie“ genannt habe. „Wir haben sogar immer versucht, alles Komödiantische, jede Art von Persiflage zu umschiffen“, sagt Palfrader. „Wir wollen uns über niemanden lustig machen, und meiner Meinung nach geht es auch gar nicht ums Waldviertel, sondern ums Scheitern an den eigenen Ansprüchen.“ Nichtsdestotrotz liebe er das Waldviertel, wo er seit 22 Jahren mit seiner Partnerin das Haus ihrer Großeltern renoviert. Und er liebe den „ganz besonderen Menschenschlag. Ich zähle die Jahre, bis ich ganz dort lebe. Der Niki und ich haben uns das schon ausgemacht, der Countdown läuft.“ Sogar seine Grabstätte habe er dort schon bestellt. Nicht überm Zaun, „sondern im Eck vom Tennisstüberl“.

Zur Serie

„Braunschlag“ ist eine achtteilige Serie von David Schalko, der das Drehbuch schrieb und Regie führte. Das fiktive Waldviertler Nest Braunschlag ist abgewirtschaftet, ein Wunder soll helfen. Darsteller sind u. a. Robert Palfrader, Maria Hofstätter, Nicholas Ofczarek, Nina Proll und Manuel Rubey. Die Serie wurde zuerst als DVD herausgebracht, innerhalb der ersten zwei Wochen wurden 10.000 Exemplare verkauft. Fortsetzung soll es keine geben, dafür eine neue, ähnliche Produktion. Ab 18. September im ORF.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)