Fahrgastzahl in Nacht-U-Bahn verdreifacht

Fahrgastzahl NachtUBahn verdreifacht
Fahrgastzahl NachtUBahn verdreifacht(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Die meisten Fahrgäste wurden 2011 in der Silvesternacht (rund 145.000 Fahrgäste) gezählt. In Wien gibt es 1000 Taxis zu viel, beklagt Innungsobmann Gerzabek.

Wien. Zwei Jahre sind vergangen, seit am ersten Septemberwochenende 2010 die Nacht-U-Bahn in Betrieb gegangen ist. Mit der Einführung begannen auch die Klagen der Taxifahrer, die sich über dramatisch sinkende Kundenzahlen beschwerten. Zu Unrecht, wie Christian Gerzabek, Fachgruppenobmann in der Wiener Wirtschaftskammer, im Gespräch mit der „Presse“ betont. Durch die Nacht-U-Bahn habe es weder einen nennenswerten Rückgang noch einen Anstieg des Taxigeschäfts in Wien gegeben.

„Es kann schon sein, dass einzelne Unternehmer durch günstig gelegene Standplätze davon profitiert haben und andere wiederum Umsatzeinbußen verkraften mussten“, so Gerzabek. „Aber im Großen und Ganzen hat der Nachtbetrieb der U-Bahn keinen wesentlichen Einfluss auf das Fahrgastaufkommen bei Taxis.“

Wenn überhaupt, dann seien am ehesten noch die weniger flexiblen Autos ohne Funk (etwa die Hälfte alles Taxis) betroffen. Aber auch bei ihnen seien viele Beschwerden aufgrund der Fahrtenbücher kaum nachvollziehbar.

Gerzabek: „Die Rede ist von vier, fünf Stunden in den Nächten an Tagen, die ohnehin die umsatzstärksten in der Woche sind. Auch vor 2010 fuhr die U-Bahn bis Mitternacht und dann wieder ab fünf Uhr, was soll sich da dramatisch verändert haben?“ Aber das Jammern sei nun einmal des Kaufmanns Gruß. „Und jede Laus, die beißt, ist unangenehm.“

Anstatt die Schuldigen für Umsatzrückgänge woanders zu suchen, wäre es aus seiner Sicht sinnvoller, über die Anzahl der Taxis in Wien nachzudenken, so der Innungsobmann. „In Wien gibt es derzeit 4600 Taxis, das sind um mindestens 1000 Taxis zu viel.“ In Hamburg beispielsweise, einer Stadt mit vergleichbaren Verhältnissen, gebe es nur 3600 Taxis. Dort sei das Gewerbe im Gegensatz zu Wien gesund.

49.000 Fahrgäste täglich

Ihr zweijähriges Jubiläum feierten die Wiener Linien am vergangenen Freitag und Samstag traditionell mit dem „Nightride“-Fest in 45 Lokalen, Clubs und Diskotheken in der ganzen Stadt. Insgesamt 54.000 Gratistickets – die zugleich auch als Eintrittskarten in die Locations dienten – wurden dafür ausgegeben. Seit Inbetriebnahme der Nacht-U-Bahn hat sich die Fahrgastzahl im Nachtbetrieb verdreifacht. Inklusive der Nachtbusse verzeichneten die Wiener Linien insgesamt 15 Millionen Fahrgäste. Im Durchschnitt sind in der Nacht auf Samstag, Sonn- und Feiertag rund 49.000 Menschen in Nacht-U-Bahnen unterwegs. Das sind um 50 Prozent mehr, als vor dem Start erwartet wurde.

Die meisten Fahrgäste wurden 2011 in der Silvesternacht (rund 145.000 Fahrgäste) gezählt. Die am stärksten frequentierten Linien sind die U4 sowie die U3 mit etwa 12.000 bzw. 11.000 Fahrgästen pro Nacht. 2012 wird die U-Bahn in insgesamt 115 Nächten durchgehend (in 15-Minuten-Intervallen) unterwegs sein. Die Nacht-U-Bahn erschließt das gesamte Wiener U-Bahn-Netz mit 101 Stationen auf allen fünf Linien.

Eingesetzt werden ausschließlich videoüberwachte Züge. Außerdem sind im ganzen Netz sogenannte Nightliner unterwegs – Sicherheitskräfte, die auf die Einhaltung der Hausordnung achten und in ständigem Kontakt mit der Exekutive stehen – mit Erfolg, wie die Polizei betont. Sowohl die Anzahl der Anzeigen als auch die der Festnahmen habe sich in den ersten beiden Jahren in Grenzen gehalten.

Zu den Zahlen: Insgesamt wurden seit der Einführung der Nacht-U-Bahn 972 Festnahmen verzeichnet, 268 davon im laufenden Jahr. Anzeige erstattet wurde in Summe 3877-mal (2012: 1429-mal), davon 409-mal nach dem Suchtmittelgesetz (2012: 129-mal). „Identitätsfeststellungen“ (einfache Personenkontrollen) gab es seit September 2010 insgesamt 19.737, seit Jahresbeginn 5721.

Auf einen Blick

Nachtbetrieb. Seit Einführung der Nacht-U-Bahn vor zwei Jahren hat sich die Fahrgastzahl verdreifacht. Inklusive der Nachtbusse wurden bisher insgesamt 15 Millionen Fahrgäste verzeichnet.

Taxis. Laut Christian Gerzabek, Fachgruppenobmann in der Wiener Wirtschaftskammer, haben die Taxis nicht darunter gelitten. Er weist auf ein anderes Problem hin: In Wien gebe es um mindestens 1000 Taxis zu viel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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