"Clever Dog Lab": Dem Blick des Hundes folgen

Clever Blick Hundes folgen
Clever Blick Hundes folgen(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Das Wiener "Clever Dog Lab" wurde an der Vet-Med-Uni Wien neu eröffnet: Hier wird an ganz normalen Haushunden ihre Wahrnehmung, Persönlichkeit und Intelligenz erforscht.

Schau, wie er schaut!“, freuen sich Hundebesitzer, wenn das Tier einen herzigen Blick aufsetzt. „Schau, wohin er schaut“ ist das Motto von Versuchen im Clever Dog Lab in Wien. Der neue Standort wurde diesen Montag an der Vet-Med-Uni Wien eröffnet, der alte Standort in der Nussgasse (Alsergrund) besteht vorerst weiter (der Verein Clever Dog Lab wird von Sponsoren getragen). Frisch geliefert wurde an die Vet-Med-Uni ein Eye-Tracking-System für Hunde: Über eine Infrarotkamera wird die Position der Pupillen und der Hornhaut der Augen erfasst und daraus errechnet, wo der Hund genau hinschaut.

„Eye-Tracker werden in der Verhaltensforschung an Tieren schon länger eingesetzt. Aber v.a. bei Primaten gab es da schreckliche Dinge, auf welche Weise die Tiere fixiert wurden, damit man die Augenbewegung genau messen kann“, erzählt Karin Bayer vom Messerli-Forschungsinstitut, das seit März 2012 an der Vet-Med die Beziehung zwischen Mensch und Tier auf unterschiedlichsten Ebenen erforscht.

Hier am Campus legen die Hunde den Kopf freiwillig in die Apparatur des Eye-Trackers: Die beiden Hunde, die darauf gut trainiert sind, rangeln sogar darum, wer als erster hinein darf. Sie wissen, dass es ein Leckerli gibt, wenn man das Kinn auf den Polster bettet und den Kopf still hält. „Es ist schwierig für die Tiere, minutenlang den Kopf keinen Millimeter zu bewegen, aber sie schaffen es“, so Bayer. Hat der Hund die Position eingenommen, dann scannt die Wärmebildkamera seine Augen, das Infrarotbild zeigt, ob sich die Körpertemperatur ändert (Anzeichen für Erregung), ein Pulsgürtel misst den Herzschlag, und es wird eine Speichelprobe genommen, um das Stresshormon Kortisol zu bestimmen.

Der Aufwand ist notwendig, um zu wissen, ob der Versuch den Hund stresst. „Wir wollen Wissenschaft betreiben, die keine Belastung für das Tier bedeutet“, betont Ludwig Huber, Leiter der Vergleichenden Kognitionsforschung am Messerli-Forschungsinstitut. Erstens verfälscht Stress das Forschungsergebnis, zweitens wird hier der Tierschutz und das Wohlbefinden der Tiere großgeschrieben. Die ersten Versuche mit dem Eye-Tracker zeigen, auf welche Gesichtspartie Hunde blicken, wenn sie einen Menschen sehen: auf Augen und Stirn. So schätzen sie die Emotionen des Menschen ein. Sogar, wenn der Mund weit offen ist, wird mehrheitlich die Augen- und Stirnpartie fixiert. „Die Bilder mit gähnenden Menschen sind zum Test, ob Hunde sich vom Gähnen anstecken lassen. Bisher hat noch kein Hund mitgegähnt“, so Bayer – aber der Eye-Tracker steht ja auch erst seit Kurzem hier.

Insgesamt geht es bei den Forschungen im Clever Dog Lab genau darum: anekdotisches Wissen und Spekulationen über die Intelligenz von Hunden, ihr Verhalten, ihre Wahrnehmung mit solider Wissenschaft zu testen. „Nur so kann man Fragen lösen und auch Guidelines und Empfehlungen für die Gesellschaft und Politik geben“, sagt Huber. Der Eye-Tracker zeigt etwa, an welchen Gesichtsmerkmalen Hunde den Besitzer erkennen.

In anderen Räumen des Clever Dog Labors spielen Hunde am Computer: Per Touchscreen (den sie mit der Nase bedienen) klicken sie auf verschiedene Objekte (Viereck/Kreis etc.), das zeigt ihre Lernfähigkeit. In Verhaltensversuchen wird nebenan überprüft, ob der Hund Gesten und Blicken des Menschen folgt.

Weitere Spielchen lassen die Persönlichkeit der Hunde erkennen. „Wir haben keine Hunde im Zwinger: Mit Labortieren kommt man nicht zu natürlichen Ergebnissen“, sagt Bayer. Zum Einsatz kommen hier einerseits die Haustiere der Forscher, aber auch die 700 Hunde, deren Besitzer sich auf www.cleverdoglab.at registriert haben und die die wissenschaftlichen Tests als Bereicherung des Alltags erleben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2012)

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