Österreichs Wirtschaft am Rande der Stagnation

Wirtschaft zweiten Quartal kaum
Wirtschaft zweiten Quartal kaum(c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
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Die Wirtschaft legte im zweiten Quartal nur mehr um 0,1 Prozent zu. Die Krise im Euro-Raum schlage nun auch auf die heimische Wirtschaft durch, sagt das Wifo. Ein Minus im zweiten Halbjahr ist möglich.

Nach einer durchaus positiven Entwicklung der Weltwirtschaft im ersten Halbjahr 2012 mehren sich nach Ansicht des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) die Zeichen einer Konjunkturabschwächung. Diese Entwicklung resultiere vorwiegend aus der anhaltenden Krise im Euro-Raum, erklärte das Wifo am Montag in einer Aussendung zu seiner BIP-Neuberechnung für das zweite Quartal, die für Österreich nur noch 0,1 Prozent reales Wachstum im Quartals-und im Jahresabstand ergab.

Österreichs Wirtschaft gerate zunehmend unter den Einfluss der europäischen Staatsschuldenkrise. So seien drei der fünf großen europäischen Volkswirtschaften (Großbritannien, Italien und Spanien) bereits in die Rezession geraten, Frankreichs BIP stagniere, und lediglich aus Deutschland kämen noch positive Wachstumsimpulse.

Schrumpfung im zweiten Halbjahr möglich

Experten des Wifo sehen sich nun näher an, ob das heimische BIP voraussichtlich im dritten oder im vierten Quartal oder sogar in beiden Vierteljahren gegenüber dem Vorquartal schrumpfen könnte. Dies sagte am Montag Wifo-Experte Christian Glocker zur APA. Dass heuer zumindest ein Quartal negativ wird, hatte das Wifo schon länger in seiner Prognose drinnen. Ende Juni ging das Institut für heuer noch von 0,6 Prozent und für 2013 von 1,3 Prozent Realwachstum aus. Zu der am 28. September anstehenden neuen Vorschau von Wifo und IHS verweist Glocker auf die Verschwiegenheitspflicht. Persönlich glaubt der Experte eher, dass nur ein Quartal negativ sein wird, doch müsse man sich das nun näher ansehen. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von einer Rezession gesprochen.

Vom Kurswechsel der EZB erhofft sich der Wifo-Experte positive Effekte im Hinblick auf die Euro-Schuldenkrise. Die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, bei Bedarf auch unbegrenzt Staatsanleihen bestimmter Euro-Schuldenländer aufzukaufen, um deren Zinslast niedrig zu halten, wertet Glocker als "Schritt in die richtige Richtung".

Fast alle Branchen betroffen

Die mäßige Konjunkturdynamik der heimischen Wirtschaft zeigt sich laut Wifo in fast allen Nachfragekategorien: Die Anlageinvestitionen seien im zweiten Quartal ähnlich vorsichtig ausgeweitet worden wie im ersten Quartal. Während die Bauinvestitionen gegenüber der Vorperiode stagnierten, nahmen die Investitionen in Ausrüstungsgegenstände leicht zu. Der Konsum der privaten Haushalte stagnierte im zweiten Quartal zum zweiten Mal in Folge. Und der öffentliche Konsum stieg etwas schwächer als in der Periode zuvor.

Das Wachstum der Exporte insgesamt verringerte sich vom ersten aufs zweite Quartal im Jahresabstand von 2,0 auf 0,3 Prozent, nachdem das Plus im vierten Quartal 2011 noch 3,7 Prozent ausgemacht hatte. Die Waren-Exporte schrumpften im zweiten Quartal um 0,6 Prozent im Jahresabstand, nach noch 1,0 Prozent Plus im ersten und plus 2,0 Prozent im vierten Quartal.

Schwache Importe

Bei den Einfuhren war die Abschwächung noch massiver: Die Importe verringerten im zweiten Quartal insgesamt auf 0,1 Prozent im Jahresabstand, nach 1,2 Prozent Zuwachs im ersten und  plus 4,0 Prozent im vierten Quartal. Bei den Waren-Importen gab es nun mit 1,5 Prozent Minus im Jahresvergleich bereits den zweiten Rückgang in Folge.

Die Bruttoinvestitionen schrumpften jetzt um 0,6 Prozent im Jahresabstand, nach einem schwachen Anstieg um 0,1 Prozent im ersten Vierteljahr. Die Bruttoanlageinvestitionen allein betrachtet lagen im zweiten Quartal noch 2,0 Prozent über Vorjahr, allerdings hatte der Zuwachs zum Jahresauftakt noch real 2,6 Prozent ausgemacht.

(APA)

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