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Studie: Österreichs Jugend ohne Politik und Kirche

Studie oesterreichs Jugend ohne
(c) Clemens Fabry
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Ein Viertel der Jugendlichen hält alle Parteien für korrupt, das Image der Politiker ist schlechter denn je. Auch die Kirche spielt für viele Junge keine Rolle, wiewohl ihnen konservative Werte wichtig sind.

Wien/Mpm. Vorbilder? Sind sie schon lange nicht mehr. Respektspersonen? Auch nicht. Inspirierend? Alles andere als das. Dass die meisten Politiker unter Jugendlichen kein übertrieben hohes Ansehen genießen, ist bekannt. Dass die Parteien und ihre Vertreter aber derart unbeliebt sind, wie eine neue Studie zeigt, mag aber doch überraschen.

Vertrauen in die Politik ist bei jungen Menschen quasi nicht mehr vorhanden: Nur 1,1 % der österreichischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (14 bis 29 Jahre) hat dem am Montag präsentierten „Jugend Trend Monitor 2012“ zufolge noch ein hohes Vertrauen in die österreichische Politik: der letzte Platz, weit hinter Polizei (Platz eins, 14,4%) und Justiz (12,5%).

Wesentlich beigetragen zu diesem zunehmend negativen Image der Politiker unter jungen Leuten dürften die diversen Korruptionsskandale und -vorwürfe gegen heimische (Ex-)Politiker haben, die seit Monaten die Berichterstattung dominieren. Die Schlussfolgerung, die viele junge Leute ziehen, ist dabei nicht unbedingt differenziert: Für ein Viertel (24,3%) der Jugendlichen  – befragt wurden rund 3000 repräsentativ ausgewählte Menschen zwischen 14 und 29 Jahren – sind überhaupt „alle Parteien gleich korrupt“ (siehe Grafik).

15,7 % der Jugendlichen wiederum glauben, dass die Korruption in der FPÖ am meisten verbreitet ist (siehe Grafik). Damit dürften die bei Jungwählern bislang überdurchschnittlich beliebten Freiheitlichen einen Imageschaden davongetragen haben. Auch das Ansehen der ÖVP, die für 14,8% der Jugendlichen die Partei mit der meisten Korruption ist, scheint gelitten zu haben.

Selbst Politiker werden? Ausgeschlossen!

Da scheint es fast logisch, dass den Parteien der Nachwuchs ausgehen dürfte: Für die große Mehrheit der jungen Menschen (72,5%) ist es nicht vorstellbar, selbst Politiker zu werden. Ein Großteil (58,7%) schließt auch aus, eine Partei zu unterstützen oder ihr beizutreten. Generell, so Thomas Schwabl, Geschäftsführer des Online-Befragungsinstituts Marketagent.com, das die Studie in Kooperation mit dem Maturareise-Anbieter DocLX durchgeführt hat, sei Engagement für Institutionen heute unattraktiv geworden.

Vorstellbar sind für viele hingegen die Unterstützung von Petitionen oder gemeinnützige Hilfe (32,4 bzw. 28%) sowie Einsatz für den Umweltschutz. Oder, wie es Schwabl formuliert: „Die Jungen unterschreiben eher gegen den Walfang in der Arktis als für ,Rettet den Stephansdom‘.“

Denn auch die Religion verliert an Bedeutung. Nur für 4,6 % der Befragten haben Kirche und Religion noch einen hohen Stellenwert, ein Engagement im religiösen Bereich schließt die Mehrheit (71,7%) aus. Gleichzeitig vertreten die Jugendlichen mehrheitlich ein konservatives Wertebild: Familie und Freunde haben den höchsten Stellenwert, zu den wichtigsten Werten zählen Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Treue, Hilfsbereitschaft. „Das ist keine reine Partygeneration“, sagt Schwabl. „Sie haben schon ein gefestigtes Wertebild, das aber nicht mehr in der Kirche verankert ist.“



Zu den fixen Werten zählt auch eine eigene Familie, die für viele wichtiger ist als die Karriere. Die steigende Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen bereitet jedem Dritten (34,8%) Kopfzerbrechen, gleichzeitig sieht ein knappes Drittel der beruflichen Zukunft „sehr positiv“ entgegen. Der Traumjob der internetaffinen Generation liegt im Software- und IT-Bereich.

Ohne Internet geht für die „Digital Natives“ gemäß dem Klischee gar nichts mehr: YouTube und andere Videoplattformen sind mittlerweile beliebter als der ORF, nur die für die junge Zielgruppe programmierten Privatsender schneiden noch besser ab. Generell sind die Jugendlichen zunehmend auch unterwegs online. Bereits 70,9 % nutzen Social Media wie Facebook über ihr Smartphone. Im Schnitt sind die Jugendlichen bereits 73,5 Minuten pro Tag über Handy oder Tablet-PC im Internet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)